Wildpferde in Sardiniens Feenwald – Giara di Gesturi

Mal nicht an der wunderschönen Küste, sondern im Landesinneren Sardiniens erwartet uns ein besonderes Erlebnis: die Hochebene Giara die Gesturi mit ihrer atemberaubenden Landschaft und ihrem Highlight – den einzigartigen Wildpferden der Giara!

Parco della Giara

Schon von weitem ragt er aus der Landschaft Sardiniens heraus – der dicht bewaldete, etwa 550 Meter hohe Tafelberg, auf dem die Hochebene Giara di Gesturi liegt. Er ist etwa 12 Kilometer lang und 5 Kilometer breit und vulkanischen Ursprungs.

Weil die Hänge an den Seiten zum Tal hin steil abfallen, hat sich die Hochebene im Laufe der Jahrhunderte ihre Abgeschiedenheit fast wie eine Insel auf der Insel bewahrt – mit einer einzigartigen Fauna und Flora!

Und diese soll weiterhin geschützt werden! Dafür wurde der Naturpark „Parco della Giara“ geschaffen, der etwa 43 qm der Hochebene umfasst.

Ihr könnt den Park über vier Eingänge anfahren. 

Dort an den Parkplätzen müssen aber die Kraftfahrzeuge abgestellt werden und es geht nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad weiter.

Wir entscheiden uns bei unserem Besuch für die Zufahrt im Süden von dem kleine Ort Tuili aus.

Schon die Fahrt den Berg hinauf auf der schmalen, kurvigen Straße ist spektakulär, denn sie bietet wunderschöne Ausblicke!

Die Straße endet am Parkeingang mit dem Informationscenter. Hier frage ich nach und bekomme das OK, dass wir mit Fred über Nacht auf dem Parkplatz stehen bleiben dürfen (jetzt im April kein Problem, in der Hauptsaison aber nicht möglich).

Dieser Parkplatz ist wirklich ein toller Übernachtungsplatz, denn er liegt wie ein Balkon am Rand des Berges und 

wir haben von hier aus einen atemberaubenden Blick in die weite Landschaft der Marmilla mit ihren sanft geschwungenen Hügeln (der Name Marmilla leitet sich vom italienischen Wort für „Brust“ ab und man kann ihn an der Form ihrer Hügel sehr gut verstehen).

Auch die berühmteste archäologische Stätte Sardiniens, die prähistorische Nuraghe„Su Nuraxi“ (UNESCO-Weltkulturerbe) ist von hier aus gut zu sehen (sie liegt etwa 9 km entfernt in Barumini)

Einfach toll!
Im

Informationscenter

gibt es eine kleine Bar, in der auch lokale Produkte und Souvenirs gekauft werden können, und ein WC (geöffnet von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr)

Im Info-Center bekomme ich für 2 € eine Karte des Parks und die wirklich sehr netten Beschäftigten geben mir noch ein paar Auskünfte und Tipps.

Dann schwingen wir uns auf unsere Räder und fahren los!

Die Wege sind steinig und uneben und wegen des vielen Regens in den Wochen zuvor auch sehr nass und matschig. Zwischendurch müssen wir immer wieder mal schieben, aber grundsätzlich ist das Fahren kein Problem.

Sobald wir den Parkeingang passiert haben, befinden wir uns in einem wunderschönen Wald vor allem mit Korkeichen. Um uns herum blüht und duftet es! Ein Traum! Ich fühle mich wie in einem verzauberten Feenwald!

Jetzt im Frühling ist vielleicht die beste Zeit, den Park zu besuchen. Nicht nur wegen der üppigen Pflanzenwelt, sondern auch wegen der

Pauli

die es jetzt gibt.
Das sind kleine Seen, die sich nur zeitweise anstauen, weil das Regenwasser im harten Basalt-Untergrund nicht einsickern kann. Im warmen Sommer trocknen sie aus, aber jetzt, im niederschlagsreichen Frühjahr, sind sie wichtiger Lebensraum der Giara.

Und deshalb ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, die berühmtesten Bewohner der Giara hier anzutreffen:

Die Giara-Pferde

(italienisch: Cavallini della Giara) sind eine seltene, halbwild lebende Kleinpferderasse, die ausschließlich auf dem Hochplateau „Giara di Gesturi“ auf Sardinien vorkommt. Es wird angenommen, dass die Pferde vor rund 3.000 Jahren von Phöniziern aus Nordafrika nach Sardinien gebracht wurden. Sie sind sehr schlank und wirken oft wie Miniatur-Araber. Mit einer Widerristhöhe von ca. 1,20 – 1,40 m gelten sie als Kleinpferde, nicht Ponys, und haben dichtes, kurzes Fell in Schwarz, Dunkelbraun oder Fuchs.

Sie werden oft als letzte Wildpferde Europas bezeichnet, die in einem so naturnahen Kontext leben. Derzeit soll es auf der Giara etwa 600 Pferde geben. Aufgrund der Größe des Gebiets kann es jedoch vorkommen, dass man bei einem Besuch nur wenige oder keine Pferde sieht, da sie sich gut verstecken können.

Doch wir haben riesiges Glück:

Gleich eine ganze Herde von etwa 20 Pferden tummelt sich auf der Wiese am See!

Mütter mit süßen Fohlen

und halbstarke Junghengste, die sich in ausgelassenen Rennspielen austoben.

Sie lassen sich von uns nicht stören. Zwar sind sie an den Anblick von Menschen gewöhnt, aber als Wildpferde natürlich nicht zutraulich oder handzahm und wir halten selbstverständlich Abstand und bedrängen sie nicht.

Welch ein Erlebnis, diese herrlichen Tiere friedlich und ganz in Ruhe beobachten zu können!

Doch nicht nur die Pferde halten sich hier am Wasser auf, auch ein paar Rindern, die hier frei auf der Hochebene leben, begegnen wir. 

Wirklich eine absolute Idylle!

Aber nicht nur die Tierwelt ist hier auf der Giara interessant.

Botanischer Garten

Im Botanischen Garten Morisia, dessen Eingang sich nicht weit vom Parkplatz befindet, können wir auf einem Rundgang vieles über die außergewöhnliche Pflanzenwelt der Giara erfahren.

Und archäologische Stätten wie die Nuraghe Tuttureddu finden wir hier ebenfalls.

Auf jeden Fall abwechslungsreich und super interessant!

Wir würden gern noch weiter mit unseren Fahrrädern die Giara erkunden, aber viele Wege stehen nach den starken Regenfällen der letzten Wochen unter Wasser und wir landen deshalb immer wieder in Sackgassen und müssen umdrehen.

Nach etwa zwei Stunden kommen wir zurück zum Parkplatz. Das war wirklich ein herrlicher Ausflug!

Zum Abschluss des Tages besuchen wir noch die kleine Kirche Santa Luisa, die am Rand der Hochebene mit einem wunderbaren Blick in die Weite steht.

Glücklich und zufrieden genießen wir den Abend im Camper mit toller Aussicht!

Und schlafen hervorragend bei absoluter Ruhe um uns herum!

Magischer Morgen

Am Morgen erwartet uns eine Überraschung: wir befinden uns über den Wolken! Während im Tal dichter Nebel hängt, scheint hier oben die Sonne! Welch ein wunderbarer Tagesbeginn!

Noch vor dem Frühstück schwingen wir uns wieder auf die Räder, um die Giara noch einmal im warmen Morgenlicht zu erleben. Welch ein Traum! Nur die Vögel zwitschern um uns herum, ansonsten können wir die Natur in herrlicher Ruhe genießen. 

Doch halt – da wiehert doch was!

Heute Morgen begegnen wir zwar nicht der großen Herde vom Vortag, aber wir können ein paar Pferde beobachten, wie sie friedlich und ruhig den Morgen am Pauli verbringen. 

Wunderbar!

Wir können uns kaum von diesem Anblick losreißen, so wunderschön ist es hier!

Doch irgendwann knurrt der Magen, denn wir sind ja vor dem Frühstück los.
Deshalb radeln wir zurück zu Fred und genießen unseren Kaffee mit Ausblick!

Inzwischen hat sich unten im Tal der Nebel aufgelöst, dafür wird es nun im Park voller (sogar Reisebusse finden mit ihren Passagieren den Weg hier herauf, um an einer der angebotenen geführten Exkursionen teilzunehmen).

Deshalb packen wir ein und verlassen die Giara die Gesturi.
Aber der Ausflug hierher war eines der schönsten Erlebnisse unserer Sardinien-Reise!

Info:

Der „Parco della Giara“ liegt etwa 70 Kilometer nördlich von Cagliari und etwa 50 Kilometer von der Westküste entfernt im Landesinneren Sardiniens.

https://parcodellagiara.it/(nur italienisch)
Der Besuch des Parks ist kostenlos.

Stellplatztipp:

Der wunderschöne Parkplatz am Park hat keinerlei Infrastruktur für Camper (außer den WCs, zugänglich während der Öffnungszeiten des Informationszentrums). Falls ihr also einen Wohnmobilstellplatz in der Nähe sucht, habe ich für euch eine gute Nachricht: einige Gemeinden in der Nähe des Parks (besonders südwestlich davon) bieten recht neue und kostenlose Stellplätze an!

Besonders empfehlen können wir den sehr neuen Stellplatz in Baradili. Hier findet ihr alles, was man als Camper so braucht: Toiletten, Duschen (0,50 € für 3 Minuten), Müllentsorgung, Ver- und Entsorgung und Chemie-Toiletten-Entleerung. Die ca. 15 Stellplätze sind großzügig. An einer Seite des Platzes sind Solarpaneele angebracht, die gleichzeitig als Überdachung dienen (super im Sommer!). 

Außerdem gibt es schöne überdachte Sitzgelegenheiten, kostenloses WLAN und sogar einen Hundespielplatz! Und das alles tatsächlich kostenlos! Welch ein super Camperservice!

Den Ort selbst haben wir uns nicht angeschaut. Es soll dort ein sehr schönes Schwimmbad (Parco Acquatico Ilidarab)und recht gute Gastronomie geben.
Bis zum Parkeingang oberhalb von Tuili sind es von dort 14 Kilometer.

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