Zwischen Büffeln, Präsidenten und Außerirdischen – Auf der Harley durch die Black Hills

Nur wenige Meter trennen uns von diesem Giganten, der direkt neben der Straße im saftigen grünen Gras liegt. Wir sitzen, ohne die schützende Karosserie eines Autos, auf unserem Motorrad und fahren mit klopfendem Herzen langsam an ihm vorbei. Wird er liegen bleiben?

Zum Glück ja, denn er weiß, dass er von uns nichts zu befürchten hat. Die Zeiten, in denen die Bisons im Wilden Westen von den Indianern gejagt wurde, sind lange vorbei – auch hier, in den Black Hills.

Etwa 160 Kilometer lang und 100 Kilometer breit zieht sich dieser herrlich weite, von grünen Nadelwäldern bewachsene Gebirgszug am Rande der Great Plains im Westen des Bundesstaates South Dakota bis ins nordöstliche Wyoming. Die Basis liegt auf etwa 800 m Meereshöhe, der höchste Gipfel ist mit 2208 m der Black Elk Peak.

Den Namen verdanken diese Hügel übrigens dem dichten Nadelwaldbestand (wie ja auch der Schwarzwald in Deutschland).

Zumindest für Besucher aus dem Ausland stehen sie wahrscheinlich nicht an einer der ersten Stellen auf der „Places to see in the USA-Liste“, die Black Hills aber bieten eine Menge an Sehenswertem.  Egal ob Naturfreunde, Geschichtsinteressierte oder Motorradfans, auch Filmbegeisterte und sogar Alien-Freaks – für alle ist etwas dabei.

Und so „ritten“ wir auf einer Harley Davidson los, um diesen Teil des Wilden Westens zu erkunden …

Das Heilige Land der Lakota

Schon immer galten die Black Hills für die einheimischen Lakota-Sioux als Heiliges Land, das für sie mit vielen Mythen verbunden war.

Doch dann kamen die Europäer, besiedelten Nordamerika und gründeten die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Ureinwohner wurden immer mehr zurückgedrängt.

Im Jahre 1868 aber wurde den Lakota-Sioux im Vertrag von Fort Laramie von den Vereinigten Staaten das gesamte Gebiet des heutigen US-Bundesstaates South Dakota westlich des Missouri als Indianerland zur uneingeschränkten und unbehelligten Nutzung und Besiedlung garantiert.

Dazu gehörten auch die „Black Hills“.

Allerdings wurde hier in den Hügeln 1874 bei einer vertragswidrigen Expedition der US-Army unter Lt. Col. George A. Custer Gold gefunden.  Alle 1868 vertraglich festgelegten Details und Garantien waren nichts mehr wert, da der Reiz des Goldes stärker war. Goldgräber überfluteten regelrecht die Black Hills, die Vereinigten Staaten wollten das Gebiet wieder von den Lakota abkaufen, die sich aber weigerten. Und so eskalierte die Situation. Es kam zunächst 1876 zur Schlacht am Little Bighorn River, in der die Lakota-Stämme zusammen mit den Cheyenne und den Arapaho der US-Armee eine vernichtende Niederlage zufügten (siehe http://roaddreamin.de/schicksalhaft-und-wunderschoen-little-bighorn-battlefield/) Allerdings währte dieser Triumph nicht lange: bereits kurze Zeit danach wurden die Native Americans endgültig geschlagen und den Lakota die Black Hills entzogen. 1980 erklärte der Supreme Court, das höchste Gericht der USA, diese Enteignung als rechtwidrig und sprach den Lakota 105 Millionen Dollar Entschädigung zu. Allerdings nahm das Volk diese Entschädigung nicht an, sondern besteht weiterhin auf die Rückgabe der Black Hills …

Unsere Unterkunft für den Trip durch die Black Hills war das “Deadwood Gulch Gaming Resort” , ein gutes Mittelklasse-Hotel in Deadwood:

 

 

Deadwood und der Goldrausch von 1876

Der Wilde Westen lebt hier weiter – besser gesagt: er wird am Leben erhalten. An der Historic Main Street des kleinen Ortes (ca. 1300 Einwohner) entlang stehen noch immer Häuser, die aus der Gründungszeit stammen könnten. Und die vielen Banner, die quer über die Straße gespannt sind, erinnern eindringlich an die große Geschichte des kleinen Ortes: den „Days of ´76“.:  denn nach dem Goldfund durch George A. Custer in den Black Hills 1874 strömten Hunderte von Glücksrittern in die Hügel South Dakotas auf der Suche nach Schätzen. Und so entstand der Ort Deadwood, anfangs nicht mehr als ein Lager der Goldsucher. Turbulent ging es hier wohl zu, genug Stoff sogar für eine US-amerikanische Fernsehserie, die 2004-2006 in drei Staffeln von den wilden Zeiten in „Deadwood“ erzählte. Ganz besonders die beiden legendären Revolverhelden Wild Bill Hickock und Calamity Jane sind Teil dieser Geschichten.

Die Ermordung von Wild Bill Hickock im Saloon Nr. 10 beim Pokerspiel und der Prozess gegen seinen Mörder Jack McCall wird noch immer jeden Sommer ausführlich als allabendliches Unterhaltungsprogramm nachgespielt.

Den „Days of ´76“ wird auch jedes Jahr mit Rodeos und Paraden gedacht.

Heute stehen vor den Saloons an der Mainstreet keine Pferde mehr, sondern Motorräder und die Glücksritter suchen das Gold nicht mehr in der Erde, sondern in den vielen Spielhallen der Stadt (in Deadwood ist im Gegensatz zum restlichen South Dakota das Glücksspiel zur Erhaltung der historischen Realität erlaubt).

Und nach einem unterhaltsamen Abend in einem der vielen Restaurants und Saloons an der Mainstreet mit Life-Musik, machen wir uns am nächsten Morgen zur Entdeckungstour durch die Black Hills auf:

Nach etwa einer Stunde Fahrt auf schönen geschwungenen Straßen durch die grünen Hügel und Wälder taucht am Horizont in der Ferne ein markanter Berg auf:

Mount Rushmore

Wer kennt sie nicht – die vier in Stein gehauenen rieseigen Köpfe der US-amerikanischen Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln?

Es war 1923 die etwas verrückte Idee von Doane Robinson von der „South Dakota State Historical Society“, der etwas schaffen wollte, was das doch eher abgelegene South Dakota in aller Munde bringen und Besucher anziehen sollte. Er plante, riesige Figuren bekannter Wild-West-Größen wie Buffalo Bill, Chief Red Cloud oder den Pionieren Lewis und Clark in den Felsen zu hauen. Zur Verwirklichung des Projekts wurde der Bildhauer John Gutzon Borglum, einer der bekanntesten, aber auch exzentrischsten Künstler der USA der damaligen Zeit engagiert. Dieser allerdings wollte keine regionalen Helden, sondern wichtigere Persönlichkeiten verewigen – die vier Präsidenten der USA, die seiner Meinung nach die wichtigsten in der bisherigen Geschichte waren. Und er setzte sich durch und bekam den Auftrag.  14 Jahre seines Lebens, von 1927 bis 1941, verbrachte er hier, an diesem entlegenen Berg in der Wildnis, um mit etwa 400 Helfern diese Vision zu verwirklichen. Kurz vor der Fertigstellung des Kunstwerks starb Borglum. Sein Sohn Lincoln Borglum führte die Arbeiten zu Ende. Die Kosten beliefen sich insgesamt auf unglaubliche 989.993,32 Dollar.

Und der Plan ging auf: mehr als zwei Millionen Besucher kommen bis heute jährlich zum Mount Rushmore, um hier den „Shrine of Democracy“ (Schrein der Demokratie) zu besuchen. Bereits 1925 als „National Monument“ ausgezeichnet, gilt er für beinahe jeden US-Bürger als das Ziel, das er einmal in seinem Leben besuchen sollte (fast wie ein Pilgerort).

Und so ist auch bei unserem Besuch des „Mount Rushmore National Memorial“ einiges los.

Beeindruckend ist es schon, wenn man, am Visitor Center mit großen Souvenir-Shops vorbei, durch die „Avenue of the Flags“ auf die Präsidentenköpfe zugeht.

Rechts und links am Weg wehen die Flaggen der 50 Bundesstaaten der USA, an den Säulen die Angaben, wann dieser Staat Teil der USA geworden ist.

Am Ende steht man auf der Grandview Terrace mit freiem Blick auf das Kunstwerk.

Zugegeben: Uns ergreift als Nicht-Amerikaner bei dem Anblick kein Nationalstolz und Patriotismus-Gefühl, wie die meisten Menschen um uns herum. Aber Respekt und Achtung vor dieser Leistung, vier 18 Meter hohe Köpfe mit lebensechten Gesichtszügen aus diesem harten Granitfelsen herausgearbeitet zu haben, muss schon sein.

Mount Rushmore National Memorial

13000 Highway 244
Building 31, Suite 1
Keystone, SD 57751

Der Eintritt ist frei, Parken kostet 10 USD pro Fahrzeug.

https://www.nps.gov/moru/index.htm

 

Einen Besuch ist das National Memorial allemal wert, doch eine kritische Frage sollte am Ende des Besuchs erlaubt sein:  Musste dies wirklich hier, am Heiligen Berg der Lakota („Six Grandfathers“ genannt) geschehen?

Als Antwort auf diesen Frevel wollte der Oglala-Lakota Chief Henry Standing Bear ein indianisches Gegenstück zum Mount Rushmore errichten: eine noch größere Skulptur des legendären Lakota-Häuptlings Crazy Horse (siehe auch http://roaddreamin.de/schicksalhaft-und-wunderschoen-little -bighorn-battlefield/ ) – das

Crazy Horse Memorial

auf einem Felsen etwa 15 Meilen westlich von Mount Rushmore.

Ab 1939 geplant, wurde von ihm der Bildhauer Korczak Ziolkowski, der bereits unter Borglum am Mount Rushmore gearbeitet hatte, engagiert, den noch viel gigantischeren Plan zu verwirklichen.

Der Siouxkrieger Crazy Horse auf seinem Pferd mit dem nach Osten ausgestreckten Arm soll das größte Denkmal der Welt werden. 195 Meter lang und 172 m breit!

Ab 1948 bis zu seinem Tod 1982 arbeitete Ziolkowski an seinem Lebenswerk. Fortgeführt wird es seitdem von sieben seiner zehn Kinder. Und doch ist es noch weit davon entfernt, fertiggestellt zu sein!

Lediglich das 27 m hohe Gesicht des Indianers ist zu erkennen.

Unvorstellbare Sprengungen und Erdbewegungen sind angesichts der riesigen Ausmaße des Entwurfs notwendig.

Da das Projekt keine staatlichen Gelder erhält, sondern sich ausschließlich von Spenden und Eintrittsgeldern finanziert wird, ist die Fertigstellung derzeit in ca. 100 Jahren geplant ….

Aber das Motto des Vorhabens befindet sich ja groß am Eingang angebracht:

Obwohl von einem der ihren initiiert, ist das Projekt bei den Lakotas nicht unumstritten. Zum einen, da es einen ihrer Heiligen Berge zerstört, zum anderen, weil Crazy Horse sich angeblich immer geweigert hatte, ein Foto von sich machen zu lassen, da ein Bild ein Stück seiner Seele rauben würde.

Geld für das Projekt versucht man heute durch Besucher des Memorials zu sammeln. Im Laufe der Jahre entstand am Fuße des Berges ein Welcome Center mit Museum, Restaurant und Aussichtsterrasse.

PKW mit 3 oder mehr Personen        30.00 USD

PKW mit zwei Personen                    24.00 USD

PKW mit einer Person                       12.00 USD

Fahrrad- bzw. Motorradfahrer           7.00 USD

Fußgänger bzw. Motorradsozius       7.00 USD

https://crazyhorsememorial.org/

Wir begnügten uns mit der Betrachtung aus der Ferne, die schon imposant genug war.

Nach all diesen menschengemachten Großprojekten wird es nun für uns aber Zeit für Natur. Wir cruisen durch die Black Hills Richtung Custer State Park.

Diese Landschaft ist einfach zum Motorradfahren wie geschaffen. Traumhafte Straßen wie der Needles Highway winden sich durch Wälder, Hügel und Grasland.  Völlig egal, welche Straße man wählt, die Fahrt lohnt sich immer!

Legendär ist die Pigtail Bridge:

Als wir die Einfahrt des

Custer State Parks

passiert haben, stockt plötzlich der Verkehr. Der Grund dafür ist nicht zu übersehen: eine Bisonherde!

Der Custer State Park, benannt nach Lt. Col George Armstong Custer (siehe:http://roaddreamin.de/schicksalhaft-und-wunderschoen-little-bighorn-battlefield/ ) war 1912 der erste State Park South Dakotas und ist bis heute ein hervorragendes Wildreservat. Mehr als 1300 Bisons leben hier frei.

Und so kann eine Fahrt durch den Custer State Park schon fast zu einer Safari werden. Aufregend ist es auf jeden Fall, diesen riesigen Tieren so nah zu kommen.

Eintritt: 20 USD pro PKW, 10 USD pro Motorrad

https://gfp.sd.gov/parks/detail/custer-state-park/

Als Motorradfahrer kann man an einem Ort der Black Hills auf keinen Fall vorbeifahren, ohne dort einen Stopp zu machen:

Sturgis

Legendär ist diese kleine Stadt (ca. 6500 Einwohner) für die alljährliche Sturgis Motorcycle Ralley.

In der ersten Augustwoche fallen hier etwa eine halbe Million Motorradfahrer aus der ganzen Welt ein, um das weltgrößte Harley Davidson-Treffen (neben der Daytona Bike Week) mit Rennen, Shows und Konzerten zu feiern.

Unterkünfte müssen dann bereits Monate im Voraus gebucht werden, der Andrang ist unvorstellbar.

Wir besuchen Sturgis etwa eine Woche vor der Ralley und bekommen einen kleinen Vorgeschmack auf das Ereignis. Bereits jetzt cruisen und parken hunderte, wenn nicht tausende Harleys in den Straßen der „City of Riders“. Es gibt jede Menge Geschäfte mit Souvenirs, die Bars und Saloons sind gut besucht und man kann seine Zeit einfach nur damit verbringen, die Motorräder und dazugehörigen Fahrer (und Beifahrer) zu betrachten. Und natürlich dem einzigartigen Sound all dieser Motoren zu lauschen, der für Motorradfans wie Musik ist!

In den westlichen Ausläufern der Black Hills, bereits in Wyoming, zieht es uns noch zu einem äußerst ungewöhnlichen Ort.  Dort, wo die Landschaft schon langsam wieder flacher wird, ragt plötzlich am Horizont ein seltsamer Klotz aus der Ebene auf – wie ein riesiger, versteinerter Baumstumpf:

Devils Tower

Cineasten und Filmfreaks wird der Anblick vertraut vorkommen. Hat dieser Stein doch eine ganz zentrale Rolle im Science-Fiction-Klassiker „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“(1977) gespielt. Meisterregisseur Stephen Spielberg hatte ihn zum Landeplatz des Alien-Raumschiffes auserwählt.

270 Meter hoch ragt dieser, aus Säulenbasalt bestehende Turm aus der Landschaft. Während die Wissenschaftler noch immer über die genaue Entstehung des vulkanischen Gebildes rätseln, haben die Native Americans schon lange die Erklärung:

Sieben kleine Indianermädchen spielten in einiger Entfernung von ihrem Dorf. Sie wurden aber von mehreren Bären entdeckt und mussten fliehen. Die Bären kamen aber immer näher In ihrer Not kletterten die Mädchen auf einen kleinen Felsbrocken. Sie flehten den Stein an: “Fels, habe Mitleid mit uns, Fels rette uns”. Der Fels erhörte die Mädchen und fing an, in die Höhe zu wachsen. Die Bären sprangen den Felsen in ihrer Wut an, brachen riesige Felsbrocken aus ihm heraus und kratzten mit ihren Krallen tiefe Rillen und Spalten in den Felsen, konnten aber die Mädchen nicht erreichen. Der Fels wuchs und wuchs bis in den Himmel hinein. Die Mädchen sind noch immer im Himmel, als sieben kleine Sterne am Firmament: die Plejaden.

Der Berg wird von den Ureinwohnern heute noch „Bears Lodge“ genannt und ist für sie ein heiliger Ort.

Schon 1906 wurde Devils Tower zum ersten „National Monument“ der USA und wird immer wieder auch mit dem Uluru in Australien verglichen.

An den vielen hundert vertikalen vier- fünf und sechseckigen Basaltsäulen haben besonders Kletterer ihr Vergnügen.

Einen schönen Spazierweg um den Berg gibt es auch, den wir uns aber wegen dicker Motorradkleider und Stiefel verkneifen.

 

Bären begegnen wir auf der Straße vom Eingang bis zum Parkplatz am Fuß des Berges nicht, aber jeder Menge anderer putziger Erdbewohner – Präriehunde.

Stundenlang könnte man die süßen Nager beobachten, zu nah sollte man ihnen aber nicht unbedingt kommen, können sie doch durchaus auch aggressiv sein und beißen.

 

Im Trading Post gibt es die üblichen Souvenirshops und Imbisse.

Ach ja, und die unheimliche Begegnung der Dritten Art kann man hier dann doch auch noch haben:

Eintritt:

Fußgänger/Fahrradfahrer            15 USD

Motorrad                                            20 USD

PKW                                                     25 USD

oder America the Beautiful Annual Pass

 https://www.nps.gov/deto/index.htm

Die Black Hills mit dem Motorrad zu entdecken, war ein wunderbares Erlebnis. Der grandiosen Natur so nah, fühlt man sich oft wie ein Cowboy, der durch den Wilden Westen reitet!

Also dann, ab in den Sonnenuntergang …

Tipp:

Ein erfahrener Motorradvermieter (nicht nur Harleys)  ist „Eaglerider“, mit vielen Vermietstationen in den USA. Man kann sich auch Tourenvorschläge erstellen und Hotels buchen lassen.

https://www.eaglerider.com

Wer die Black Hills im Rahmen einer geführten Motorradreise kennenlernen möchte, dem kann ich die sehr gut organisierte Reise „Rocky Mountains und Wilder Westen“ von MR BikeTours (Media-Reisen) empfehlen.

https://www.mr-biketours.de/motorradreise/motorradreise-usa-rocky-mountains/

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