Wochenend-Roadtrip durch den Nordschwarzwald

Viel Sonne, wunderschöne Fachwerkhäuser, malerische Ruinen, (leider nur wenige) bunte Krokusse, wilde Bären und Wölfe – das ist das Fazit unseres herrlichen Wochenend-Roadtrips durch den nördlichen Schwarzwald.

Am besten aber fange ich mal von vorne an:

Es ist Anfang März, das Wochenende naht und die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist toll: zwar kalt, aber sonnig  – Zeit für einen spontanen Kurztrip mit Beni. Wo soll´s diesmal hingehen? Wir entscheiden uns für den Nordschwarzwald!

Und so ziehen wir am Freitag los Richtung Süden!

Gemütlich gondeln wir auf kleineren Landstraßen durch den wunderschönen Odenwald und erreichen am späten Nachmittag unser Tagesziel: Die kleine Stadt

Bretten im Kraichgau

Hier finden wir einen tollen Übernachtungsplatz direkt an der Altstadt, neben dem neuen Rathaus.  Am Rand des Parkplatzes „Am Seedamm“ sind zwei Plätze für Wohnmobile vorgesehen und wir haben Glück und ergattern heute einen davon.

Der Parkplatz ist eigentlich von 7.00 Uhr – 19.00 Uhr gebührenpflichtig, nachts kostenlos. Allerdings ist heute der Parkscheinautomat defekt und wir können mit Parkscheibe auch vor 19.00 Uhr gebührenfrei stehen.

Der Stellplatz ist ein reiner Parkplatz, hat also keinerlei Ausstattung. Zwei öffentliche WCs gibt’s aber fußläufig in der Innenstadt.

Wir parken Beni und ziehen los, das kleine Städtchen zu erkunden. Bis zum Marktplatz sind es vom Parkplatz aus nur ein paar Schritte. Aber wir bekommen auf dem kurzen Weg schon gleich einen Eindruck, wie schön der Ort ist.

Knapp 30000 Einwohner hat Bretten und nennt sich auch die

Melanchthon-Stadt

weil hier 1497 der Reformator und Wegbegleiter Martin Luthers, Philipp Melanchthon, geboren wurde.

Das Melanchthon-Haus am Marktplatz ist daher auch das architektonische Highlight Brettens. Alt sieht es aus, ist aber tatsächlich erst im späten 19. Jahrhundert an der Stelle des Geburtshauses des berühmten Humanisten im neuspätgotischen Stil erbaut worden.

Heute befindet sich darin auch das Museum, das aber jetzt abends schon geschlossen ist.

Der Marktplatz ist, eingerahmt von schönen Fachwerkhäusern, aber auch sonst sehr sehenswert.

Wir bummeln durch die Fußgängerzone bis zum

„Hundlesbrunnen“

Das Brettener Hundle soll einst die Stadt bei einer Belagerung gerettet haben. Ob´s tatsächlich stimmt, ist nicht bewiesen. Aber ihm wurde hier jedenfalls mit dem Brunnen ein Denkmal gesetzt. Yoda findet das gut.

Jetzt bekommen wir aber langsam Hunger. Aber wo gibt´s was Gutes? Wir bekommen von einer lieben „Brettenerin“ das „La piazzetta M23“ (in der Fußgängerzone, nicht weit vom Melanchthonhaus entfernt) empfohlen.  Und werden nicht enttäuscht von dieser Pizza-Pastaria mit toller italienischer Atmosphäre, sehr netten Menschen und superleckeren italienischen Speisen!

https://www.lapiazzettabretten.com/

Satt und weinselig kommen wir wieder nach einem kleinen Umweg über den nächtlichen Marktplatz zu Beni zurück!

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht auf dem Parkplatz in Bretten fahren wir am Morgen weiter Richtung Schwarzwald.

 

Durch Pforzheim (das leider wegen der Zerstörungen im 2. Weltkrieg kein wirklich schönes Stadtbild bietet und deshalb von uns schnell durchquert wird) fahren wir auf die B 463 und erreichen das Nagoldtal im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord.

Das wunderschön idyllische Tal kennen wir schon von einigen Motorradtouren und es ist immer wieder herrlich hier.

Kurz vor der Hermann-Hesse-Stadt Calw erreichen wir Hirsau. Und hier erwartet uns eine Sehenswürdigkeit ganz nach meinem Geschmack:

Das ehemalige Benediktinerkloster St. Peter und Paul

Im 11. Jahrhundert gegründet und im 17. Jahrhundert zerstört ist es heute ein stimmungsvolles Ensemble aus Ruinen, Türmen und Fachwerkhäusern.

Von der ehemaligen Klosterkirche ist fast nichts mehr zu sehen, der Kreuzgang und das alte Jagdschloss aber sind herrlich pittoreske Ruinen!

Die perfekte Kulisse für einen Historienfilm!

Und das Tolle: die Besichtigung der Anlage kostet keinen Eintritt!

Alles hier erinnert mich sehr an die wunderschönen alten Abteien in Großbritannien, die mich schon immer fasziniert haben (das wisst ihr ja schon aus https://roaddreamin.de/im-land-des-roten-drachen-meine-highlights-in-wales/)

Im alten Wagenhaus ist heute das schnuckelige Klostercafé untergebracht.  Da muss zum Abschluss unseres Rundgangs auf jeden Fall noch ein Latte Macchiato in der Sonne sein.

Gestärkt geht unser Weg weiter durch das Nagoldtal.

Der Nachmittag hat dann aber den Untertitel „Verpasste Chancen“, denn leider klappt einiges nicht so, wie wir uns das vorstellen.

Kurz nach Calw biegen wir von der B463 nach rechts ab und fahren den Berg hinauf nach

Zavelstein

Denn hier soll es im März etwas ganz Besonderes geben: die Krokusblüte auf den Zavelsteiner Krokuswiesen!

Dazu sind aber nicht nur wir hierhergekommen – nein, jede Menge Besucher bevölkern den Ort. Die Parkplätze sind voll! Wir folgen mit Beni den Wegweisern zu den Krokuswiesen und finden sie schnell:

Am Ortsrand von Zavelstein sind riesige Bereiche mit weiß-lila Absperrbändern abgegrenzt, sogar die Verkehrsführung wurde geändert, um den Besucheransturm zu bändigen.

Alles ist vorbereitet- allein die Krokusse fehlen!

Zu kalt war es in den letzten Wochen und so zögert sich die Krokusblüte in diesem Jahr hinaus. Nur ein paar wenige Blümchen haben es bisher gewagt, ihr Köpfchen aus der Erde zu stecken.

Wie toll muss das sein, wenn die großen Wiesen alle dicht mit lila Blüten überzogen sind!  Heute aber leider nicht. Wir müssen uns mit Bildern der letzten Jahre, die wir auf Informationstafeln finden, zufrieden geben.

Tipp: Damit es euch nicht genauso ergeht, empfehle ich euch, vor eurer Fahrt nach Zavelstein die Homepage von Teinachtal, zu dem Zavelstein gehört, den aktuellen Stand der Krokusblüte zu checken: Aktueller Stand Krokusblüte (teinachtal.de). Hätten wir das mal besser gemacht …

Doch in Zavelstein gibt es ja noch eine zweite berühmte Attraktion zu entdecken: die Ruine von Burg Zavelstein!

Für uns heute aber leider auch nicht – zuviel ist heute hier los und wir finden mit Beni keinen Parkplatz! Nur ein kurzer Blick im Vorbeifahren- mehr geht heute nicht. Na gut, da müssen wir wohl noch mal wiederkommen!

Also wieder den Berg hinunter ins Nagoldtal

und weiter, an Nagold vorbei, zu unserem heutigen Tagesziel:

Schiltach

Hier gibt es nämlich einen wunderschönen, kostenlosen Wohnmobilstellplatz, den wir schon von einer früheren Reise kennen und auf dem wir heute übernachten möchten.

Der kleine (ca. 4000 Einwohner) Ort Schiltach liegt am Zusammenfluss der Schiltach und der Kinzig und ist eine alte Flößer- und Gerberstadt.

Und genau hier am Flussufer stehen wir auf dem Wohnmobilstellplatz einfach nur wunderschön idyllisch!

Allerdings solltet ihr ihn nur bei schönem Wetter nutzen!

Zwar verläuft die Bahnlinie direkt hinter dem Parkplatz, aber es fahren nicht allzu oft Züge vorbei und wenn, dann nur kurz (also keine ewig langen Güterzüge). Uns hat es nicht gestört.

Außer Müllentsorgung hat der Stellplatz keinerlei Ausstattung, ein öffentliches WC gibt es im Ort (in der Schüttesäge im Gerberviertel).

Aber dafür einen herrlichen Ausblick!

So klein Schiltach auch ist – ein Spaziergang durch den Ort muss einfach sein. Denn das Städtchen ist ein Fachwerktraum!

Ob am Marktplatz

den Schlossberg hinauf

oder im alten Gerberviertel.

Heute abend wird mit Aussicht gekocht!

Nach einer ruhigen Nacht drehen wir noch eine Gassirunde mit Yoda durch Schiltach im wunderschönen Morgenlicht (es ist aber noch bitterkalt, brrrr!)  und machen uns dann wieder auf den Weg.

Wir müssen ja abends wieder zuhause sein und deshalb ist Schiltach der südlichste Punkt unseres Wochenend-Trips.

Erst einmal ein Stückchen an der Kinzig entlang, biegen wir dann bei Wolfach wieder nach Norden ab und fahren das Wolfachtal hinauf.

Eigentlich ist es im Schwarzwald ja egal, in welches Tal wir abbiegen – jedes ist wirklich idyllisch und wunderschön.

Kurz hinter Schapbach überrascht uns ein Hinweisschild:

Alternativer Wolf- und Bärenpark Schwarzwald

Von dem haben wir ja noch nie gehört! Den müssen wir uns unbedingt anschauen!

Bereits auf dem Weg zur Kasse bekommen wir ganz viele Informationen zu diesem außergewöhnlichen Projekt.

Denn uns erwartet hier kein gewöhnlicher Tierpark, sondern ein spezielles Naturschutzprojekt.

Besonders europäische Braunbären, die meist aus völliger Fehlhaltung gerettet wurden, finden hier ein neues, schönes Zuhause, in dem sie endlich zufrieden leben können!

Bei einer so tollen Einrichtung sind die 10,00 € Eintritt pro Person (Yoda darf an der Leine auch mit und kostet 2,00 €) wirklich nicht zuviel!

Ein Rundweg führt uns durch die schöne Schwarzwälder Landschaft vorbei an großzügigen Gehegen mit Luchsen, Bären und Wölfen.

Auf Infotafeln erfahren wir das Schicksal eines jeden einzelnen derzeit hier lebenden Tieres. Es ist einfach schlimm und beschämend, was Menschen mit diesen wunderbaren, unschuldigen Kreaturen anstellen!

Umso schöner ist es für uns, heute zu sehen, wie gut es den Tieren hier jetzt geht (auch wenn wir immer wieder darauf hingewiesen werden, dass manche davon ihr Leben lang wahrscheinlich untypische Verhaltensweisen an den Tag legen, die durch ihre jahrelange fehlerhafte Haltung verursacht wurden)

Das Highlight ist für mich, beobachten zu können, wie die beiden Bärenbrüder Arian und Arthos, die einen großen Teil ihres bisherigen Lebens an Ketten über einen Strand zur Belustigung der Badegäste gezerrt wurden, wie fröhliche Kinder miteinander balgen!!!

Berühmteste Bewohnerin des Parks ist die Bärendame Jurka. Allerdings hat ihre Prominenz einen traurigen Grund: ist sie doch die Mutter des bayerischen „Problembären“ Bruno.

Aber auch die Wölfe und Luchse zu beobachten, ist eine tolle Sache!

Aber wer beobachtet hier eigentlich wen?

Doch nicht nur die wilden Tiere werden hier gut versorgt!

Am Ende unseres Besuchs stärken wir uns noch im Bistro Bärenblick (seeehr leckere Currywurst!), bevor wir uns auf die Weiterfahrt machen.

Es ist jetzt kurz nach Mittag (wir waren heute schon früh auf den Beinen und deshalb schon bald hier) und es ist schön zu sehen, dass immer mehr Besucher kommen – besonders Familien mit Kindern, denen, wie ich finde, Natur- und Tierschutzprojekte nicht früh genug nähergebracht werden können.

Alle Infos zum Park, seinen Projekten, Öffnungszeiten und Erlebnisprogrammen findet ihr hier: https://www.baer.de/

Die letzte Etappe unseres Nordschwarzwald-Roadtrips führt uns jetzt über Bad Rippoldsau auf die

Schwarzwaldhochstraße (B 500)

die von Baden-Baden nach Freudenstadt (oder auch umgekehrt, wie für uns heute) führt.

Bis auf eine Höhe von etwas über 1000 Meter windet sie sich durch die herrliche Landschaft. Jetzt, Anfang März, sogar noch mit ordentlich viel Schnee rechts und links der Straße.

Auch an einigen tatsächlich noch laufenden Skiliften kommen wir vorbei.

An diesem wunderschön sonnigen Sonntag sind natürlich viele Ausflügler (Skifahrer, Wanderer oder einfach nur Sonnenanbeter) unterwegs und die Parkplätze sind voll!

Am Schliffkopf halten wir aber auf 1040 m Höhe noch einmal an und genießen die wunderbare Aussicht!

Dann führt uns die Straße weiter, am Ende wieder den Berg hinunter bis nach Baden-Baden.

Hier heißt es für uns:  Abschied nehmen vom Schwarzwald und ab auf die Autobahn Richtung Heimat!

Es war eine tolle Tour- eine wunderbare Wochenend-Auszeit!!

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