Stille, Sterne und Spione – eine Nacht auf der Hohen Geba

Die Rhön im Herzen Deutschlands ist rau, aber wunderschön. Die sanft geschwungenen Kuppen der früheren Vulkane prägen ihr Bild. Herrliche Natur, Geschichte, Traditionen – nicht ohne Grund ist die Rhön eines von 16 UNESCO-Biosphärenreservaten zum Schutz der natürlichen und kulturellen Vielfalt in Deutschland.

Seit frühester Kindheit habe ich viel Zeit hier verbracht, denn es war die Heimat meines Vaters. Auch wenn er schon als Junge dort weggezogen war, kehrte er immer sehr gern zurück. Zum Wandern und um Verwandte zu besuchen. Deshalb kenne und liebe ich viele Berge und Ausflugsziele der Rhön seit Jahrzehnten.

Allerdings mit Einschränkungen:  Denn in meiner Kindheit war die Rhön (wie ganz Deutschland) geteilt! Während wir den zu Bayern und Hessen gehörenden Teil (z.B. mit den höchsten Bergen Wasserkuppe, Kreuzberg und Heidelstein) recht gut kannten, durften wir die Thüringische Rhön bis 1989 nur aus der Ferne betrachten.

Sie war deshalb für mich lange ein weißer Fleck auf der Landkarte. Nach Grenzöffnung und Wiedervereinigung begannen wir, diese bis dahin uns unbekannte Gegend vor allem auf Motorradtouren zu erkunden.

Und kennen nun zum Glück auch hier herrliche Orte!

Zu einem, wie ich finde, besonders schönen Fleckchen der Thüringischen Rhön möchte ich euch heute mitnehmen:

Auf die Hohe Geba

„Land der offenen Fernen“ wird die Rhön auch oft genannt. Denn nicht alle Berge hier sind mit dichten Wäldern bewachsen, sondern sind wiesenbedeckte Kuppen. So auch die Hohe Geba, die mit 751 Metern zwar nicht der höchste Berg ihrer Region ist, aber ein ganz besonderer!

Und das aus mehreren, völlig unterschiedlichen Gründen. Seid gespannt!

Egal, ob wir den kleinen Ort Geba von Süden über Helmershausen oder von Osten über Stepfershausen und Träbes anfahren: die Straße windet sich herrlich durch die Landschaft mit schönen Ausblicken nach allen Seiten.

Eine kleine Stichstraße führt uns vom Dorf ein letztes Stück hoch auf den Berg!

Und hier oben ist einer unserer liebsten Camper-Übernachtungplätze!

Denn neben dem Parkplatz ist ein Wohnmobilstellplatz angelegt. Ein paar wenige Schotterplätze sind mit Strom ausgestattet, ansonsten können auch einige Camper frei auf der Wiese stehen (dann aber ohne Stromanschluss).

Zum Übernachten anmelden sollte man sich nebenan im „Bergstübchen“. Kosten: 6 € pro Nacht, zzgl. 3 € für Strom.

Wir stehen heute mit unserem Camper auf der Wiese mit Blick nach Süden!

Freie Aussicht auf den Kreuzberg, den Heidelstein und die Wasserkuppe! Traumhaft!

Doch bevor wir die Füße hochlegen, geht´s erst mal auf Erkundungstour!

Denn oben auf der Hohen Geba gibt´s einiges zu entdecken:

Direkt neben dem Parkplatz stoßen wir als erstes auf den

Rhönkulturgarten

einen angelegten Schau- und Lehrgarten über die Botanik und Geologie der Rhön, der uns auch zu den Resten einer alten Keltensiedlung führt.

Der schöne Spaziergang bringt uns bis zum

Aussichtshügel

Von hier aus haben wir eine atemberaubende Rund-um-Sicht – 360 Grad-Panorama vom Feinsten! Einfach wunderbar!

Wer eine längere Wanderung oder auch Mountain-Bike-Touren unternehmen möchte, der hat von hier aus vielfältige Möglichkeiten. Denn schließlich sind wir im Rad- und Wanderparadies Rhön!

Russische Vergangenheit

Alte Laternen, Stacheldraht und eigenartige Steinfundamente mitten auf der Wiese machen mich nun aber neugierig auf die spannende und außergewöhnliche Geschichte des Berges.

Denn nicht nur für uns aus dem „Westen“ war die Hohe Geba lange nicht zugänglich, sondern auch für die Thüringer selbst.

Das Gipfelplateau der Hohen Geba war nämlich von 1961 bis zum 22.04.1991 militärisches  Sperrgebiet!

Der Berg diente der Besatzungsarmee der UdSSR als Radar- und Überwachungsstation – hier, nur wenige Kilometer Luftlinie von der Grenze nach Westdeutschland entfernt und in direkter Sichtweite zu den markanten Luftraumüberwachungskuppeln der Amerikaner und Briten auf der Wasserkuppe, dem höchsten Berg der Rhön

Die Feinde sozusagen Auge in Auge!

Von hier aus überwachte die Sowjetarmee den Luftraum bis Paris! Es war der westlichste Funkaufklärungsstützpunkt der UdSSR!

Bis zu 500 russischen Soldaten, teilweise mit ihren Familien, waren über die Jahrzehnte hier stationiert.

Einige der damals genutzten Häuser gibt es noch (der heutige Festsaal des Bergstübchens war der Schlafsaal für 100 Soldaten!)

Von anderen sind nur noch Fundamente übrig

Auch einen Hubschrauberlandeplatz gab es hier.

Viele Erläuterungen zu diesem Thema findet ihr an der Information neben dem Bergstübchen.

Ein wirklich interessanter Teil Deutsch-Deutscher Geschichte!

Hier könnt ihr noch mehr darüber erfahren: Fremdenverkehrsverein Geba e.V. – Russen auf Geba (hohe-geba.de)

Heute können wir uns zum Glück hier frei bewegen. Besonders Yoda liebt es, über die weiten Wiesen zu tollen!

Und zur Stärkung zwischendurch gibt es das urige

Bergstübchen

Kaffee, Kuchen, Bier und typische thüringische Spezialitäten wie eine Rostbratwurst vom Grill oder ein Rostbrätel, all das bekommen wir hier.

Fremdenverkehrsverein Geba e.V. – Das Bergstübchen auf der Hohen Geba (hohe-geba.de)

Und was machen die vielen Flaggen hier auf der Wiese? Sie sind Teil einer Gedenkfeier, die am 8. Mai 2020 zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs stattfand.

75 Jahre Frieden

Aus diesem Anlass wurde die Hohe Geba noch einmal als Funkstation genutzt:

In 51 Länder der Welt ging von hier aus der Funkspruch: „DM75MIR“ (Russich: Druschba i Mir 75 Mir – Freundschaft und Frieden 75 Jahre Frieden).

 

Und je eine Länderfahne für jeden Funkspruch!

 

Sternenpark

Die offene Weite der Rhön und ihre dünne Besiedelung macht die Gegend nicht nur tagsüber zu einem traumhaften Ausflugsgebiet – nein, auch nachts.

Das UNESCO-Biosphärenreservats Rhön ist seit 2014 als „International Dark Sky Reserve“ ausgewiesen!

Nicht nur, dass es im näheren Umkreis keine größeren Städte gibt, die die ganze Nacht über leuchten, auch die kleinen Gemeinden hier in der Rhön reduzieren die künstliche nächtliche Beleuchtung auf ein Minimum. Auch aus Naturschutzgründen, denn unzähligen heutzutage im dichtbesiedelten Europa üblichen künstlichen Lichtquellen verwirren die Tierwelt und bedrohen den Lebensraum vieler, besonders nachtaktiver Arten.

Deshalb ist das Biosphärenreservat Rhön nachts eine der dunkelsten Gegenden Deutschlands und es können hier im Sternenpark Rhön in klaren Nächten sternenreiche Himmelsbeobachtungen gemacht werden wie an nur wenigen anderen Orten Mitteleuropas!

Hier auf der Hohen Geba ist aber ein spezieller Ort des Sternenparks, denn hier sind Plattformen speziell zum Aufstellen von Teleskopen angebracht. Astronome (Profis, aber natürlich auch Amateure) können hier auf vier betonierten Plätzen ihre Beobachtungsgeräte platzieren.

Fremdenverkehrsverein Geba e.V. – Beobachtungsplattformen und Planetenweg (hohe-geba.de)

Für Sterngucker mit Ausrüstung ist die Camper-Übernachtung übrigens sogar kostenlos.

Aber es braucht gar kein aufwändiges Equipment zum Sterne gucken – es geht auch simpler:  einfach auf einer der schönen Sitzbänke niederlassen und den Sternenhimmel genießen!

Sternenpark Rhön (biosphaerenreservat-rhoen.de)

Stille

Und so sitzen wir abends vor unserem Camper und genießen den herrlichen Sonnenuntergang, den weiten Blick und später die unzähligen Sterne, die über uns leuchten!

Aber ganz besonders, das, was uns hier am meisten fasziniert:  völlige Stille!

Nichts, aber auch wirklich nichts hören wir hier außer dem leichten Rauschen des Windes und vereinzeltes Vogelgezwitscher!

Wie in einer anderen Welt oder auf einem anderen Planeten- zumindest fühlen wir uns so!

An keiner anderen Stelle in Deutschland habe ich das bisher so intensiv erlebt wie auf der Hohen Geba bei Nacht!

Und ganz besonders deshalb zieht es uns immer wieder zum Übernachten hierher!

Und zwar zu jeder Jahreszeit!

Anfahrt:

Die Hohe Geba liegt knapp 20 Kilometer westlich von Meiningen.

Anfahrt über die A71, Ausfahrt Meiningen Nord, die B19 bis Meiningen, dann weiter über Melkers, Rippershausen, Stepfershausen und Träbes

 

Ausflugstipp:

Nach einer Nacht auf der Hohen Geba könnt ihr am Tag danach noch einen anderen tollen Ort in der thüringischen Rhön besuchen:

den

Ellenbogen

dieser Berg liegt 20 Kilometer westlich der Hohen Geba (Fahrtzeit von hier etwa 30 Minuten) und bietet seit 2017 eine tolle Attraktion:

Noahs Segel!

Eine Aussichtsplattform mit einem wahnsinnig schönen Rundum-Blick

und einer Erlebnisrutsche.

Unten im Eingangsbereich einen Rutschsack mitnehmen, die Treppen rauflaufen, die Aussicht genießen und dann durch die Röhre runterrutschen. Besonders für Kinder ein herrliches Abenteuer!

Eintritt 2,00 €

Öffnungszeiten / Preise – noahs-segel1s Webseite! (noahs-segel.de)

Willkommen – noahs-segel1s Webseite! (noahs-segel.de)

Noahs Segel auf dem Ellenbogen – rhönführer.de (rhoenfuehrer.de)

 

Von hier aus starten auch wunderschöne Wander- und Radwege durch die traumhafte Rhöner Landschaft!

Besonders toll für Familien ist die Wanderung auf dem Entdeckerpfad „Hohe Rhön“

Entdeckerpfad Hohe Rhön – noahs-segel1s Webseite! (noahs-segel.de)

Spannende Stationen, die garantiert keine Wanderlangeweile bei Kids aufkommen lassen und am Ende die „Arche Rhön“ , ein besonderes Naturerlebnis – ein Abenteuer ohne die Frage „wann sind wir denn da?“

Erlebniswelt Rhönwald mit ARCHE RHÖN – noahs-segel1s Webseite! (noahs-segel.de)

 

Absolut empfehlenswert!

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