Im Land des roten Drachen- meine Highlights in Wales

Croeso in Gymru! – so wird man begrüßt, wenn man von England aus die Severn-Bridge  überquert hat und zum ersten Mal dem roten Drachen von Wales begegnet.

Denn „Gymru“, wie das Land in der alten kymrischen Sprache  genannt wird, ist stolz auf  seine keltischen Wurzeln, Legenden und Mythen und pflegt diese auch. Besonders im Norden und Westen von Wales wird die alte Sprache weiterhin gesprochen und wird somit als Teil ihrer Kultur bewahrt. Sobald man die Grenze zu Wales überquert hat,  sind die Orts- und Straßenschilder zweisprachig und die Namen nicht unbedingt so leicht auszusprechen.

Und dieses Land (mit 20.735 km² der kleinste Landesteil von Großbritannien) ,von dem ich bis dahin noch gar nicht viel wusste, haben  wir auf einem Roadtrip entdeckt. Und was haben wir gefunden? Romantische Burgruinen,  verfallene Abteien, herrliche Strände und ganz viel Grün!!

Meine persönlichen Highlights dieser Reise möchte ich euch hier vorstellen:

Verfallene Abteien

Die Mystik und Romantik verfallener Abteien und Kirchen haben mich schon immer fasziniert.  Die Stimmung in diesen alten Mauern zieht mich immer wieder in ihren Bann und irgendwie rechne ich dort jeden Moment damit, dass Choräle-singende Mönche mit brennenden  Kerzen in den Händen um die Ecke kommen („Die Säulen der Erde“ und „Der Name der Rose“ haben vielleicht ihren Teil dazu beigetragen). Und solche stimmungsvollen Ruinen findet man auch in Wales:

  1. Tintern Abbey

Wunderschön im Tal des Wye gelegen ist die 1131 gegründete Zisterzienser-Abtei die am besten  erhaltene  und (wahrscheinlich deshalb) bekannteste Abtei von Wales. Weil sie nicht weit von der Grenze nach England entfernt ist, haben wir sie, wie wahrscheinlich viele Wales-Reisende, als erste Sehenswürdigkeit besucht.

Besonders im 19. Jahrhundert  von den romantischen Maler, allen voran William Turner, wurde die Abtei sehr gern als Motiv genommen. Und diese romantische Stimmung in den Ruinen kann man immer noch spüren.

 

Einen Besuch von Tintern Abbey sollte man auf jeden Fall auf einem Wales-Trip einplanen.

Auch Hunde dürfen diese alten Mauern betreten (aber wichtig: immer einen Poop-Bag dabei haben)

Info: Tintern Abbey, Tintern, Monmouthshire, NP16 6Se, South Wales

Eintritt 6,50 Pfund ( Erwachsene)

https://cadw.gov.wales/daysout/tinternabbey/?lang=en

Eine kleine Stärkung genehmigten wir uns nur ein kleines Stückchen weiter im alten Bahnhof „Old Tintern Station“ , heute ein Cafe und sehr schönes  Ausflugsziel.

 

2. Llanthony Priory

Über den kurvigen, aber wunderschönen und sehr einsamen  Gospel-Pass (Bwlch yr Efengyl) im  Brecon Beacon Nationalpark gelangten wir ins abgelegene Honddu-Tal und fanden dort ein kleines verborgenes Schätzchen :  Llanthony Priory – die  Ruine einer um 1100 gegründeten Augustinerpriorei inmitten von leuchtend  grünen Wiesen.

Die Ruine ist immer zugänglich, der  Eintritt ist frei (Hunde dürfen aber nicht mit hinein).

Im renovierten Nebengebäude ist ein kleines Hotel untergebracht und in der alten Krypta sogar ein uriger Pub!

Wir durften frei auf dem Parkplatz (mit Toiletten) übernachten, idyllisch mit Blick auf die Ruine und hatten spätabends und frühmorgens die Ruine für uns alleine!

Llanthony Priory Llanthony
Abergavenny
Monmouthshire
NP7.7NN

http://www.breconbeacons.org/llanthony-priory

Nicht weit weg davon, im unaussprechlichen Ort Llanvihangel Crucorney befindet sich der älteste Pub von Wales „The Skirrid“

Leider kamen wir  vormittags vorbei und der Pub war  noch geschlossen.

3. Strata Florida Abbey

Durch die Reste eines wunderschönen Portals betritt man diese einst prächtige Zisterzienserabtei, die sogar Grablege hochgestellter walisischer Adeliger war. Heute nur noch eine Ruine, aber herrlich in den einsamen Bergen gelegen.

Beim Rundgang kann man auch die Reste des alten Ziegelfußbodens besichtigen.  Dieser war außergewöhnlich, die Ziegel (tiles) sehr kunstvoll verziert.

Ein spannendes Suchspiel ist es, die abgebildeten alten Motive unter den vielen verschiedenen abgetretenen Kacheln zu finden

 

Strata Florida Abbey, Abbey Rd, Ystrad Fflur, Ystrad Meu, rig SY25 6ES, Vereinigtes Königreich

https://cadw.gov.wales/daysout/strata-florida-abbey/?lang=en

Auf dem Friedhof neben der Abtei liegt das Grab von Dafydd ap Gwilym,  Er gilt als einer der bedeutendsten Dichter Europas aus dem 14. Jahrhundert, angeblich ein charismatischer Mann, der Gedichte über Liebe und Natur zum Besten gab und dank seiner Fähigkeit, sich über sich selbst lustig zu machen,sehr beliebt war (ok, ich gebs zu, ich kannte ihn nicht)

Wanderung auf dem Coast Path bei St. Davids

1400 km kann man entlang der gesamten Küste von Wales auf dem Coast Path wandern und atemberaubende Ausblicke auf Steilküsten und herrliche Strände genießen.

Nun, so weit wollten wir dann doch nicht laufen und entschieden uns für einen kleinen Teil  des Weges in Pembrokeshire, um die kleine Stadt St. Davids herum.

Vom Campingplatz an der Caerfai Bay, der direkt am Coast Path liegt, starteten wir morgens bei herrlichem Wetter (Glück gehabt, am Vortag hatte es noch in Strömen geregnet)

Als erstes erreichten wir die St. Non´s Bay:

An dieser Stelle soll im Jahre 520 der Heilige David, der Nationalheilige von Wales, das Licht der Welt erblickt haben.

Die kleine Kapelle auf der Anhöhe mit fantastischem Blick ist seiner Mutter, St. Non, geweiht.

Die kleine Quelle auch:

Der Weg ist angenehm zu gehen, die Ausblicke auf die Klippen und Strände immer wieder wunderschön.

Zwischendurch erreicht man den  kleinen Hafen von Porth Clais . Hier könnte man, wenn man nicht so weit wandern möchte, bereits nach St. Davids abbiegen. Wir aber liefen auf dem Coast Path weiter.

Eine kleine Pause am Strand war schon mal nötig.

Zwischen dem Festland und Ramsey Island (Ynys Ddewi, Davids Insel auf walisisch) liegt der aufgrund seiner starken Strömung berüchtigte Ramsey Sound. Die Stärke der Strömung war sehr beeindruckend.

Das Ziel unserer Wanderung war St. Davids, die kleinste Stadt Großbritanniens, mit einer imposanten Kathedrale, der der Ort (mit gerade einmal 1600 Einwohnern) sein Stadtrecht zu verdanken hat.

Der Heilige David soll hier schon im 6. Jahrhundert ein Kloster gegründet haben. Die beeindruckende und absolut sehenswerte Kathedrale entstand ab 1181 und war im Mittelalter ein bedeutendes Pilgerziel (Zweimal St. Davids ersetzte einmal Rom)

Der Eintritt ist frei, eine Spende von 5 Pfund jedoch sehr erwünscht.

http://www.stdavidscathedral.org.uk/index.php?id=760

Die Reste des alten Bischofspalastes können auch besichtigt werden.

https://cadw.gov.wales/daysout/stdavidsbishopspalace/ Eintritt 4 Pfund

Der Coast Path in Pembrokeshire ist auf jeden Fall zu empfehlen, die Ausblicke auf die Küste einfach atemberaubend.

Puuh, aber danach hatten wir uns aber eine Stärkung verdient!

Von St. Davids aus sind es nur ein paar Minuten zu Fuß zurück zum Campingplatz.

https://www.walescoastpath.gov.uk/?lang=en

Henrhyd Falls

Beeindruckende Wasserfälle gibt es in Wales viele. Alle kann man natürlich nicht besuchen und so entschieden wir uns  für den Henrhyd Fall in den Brecon Beacons .

Ein kurzer, aber etwas steiler  Weg führt vom National Trust Parkplatz hinunter in die  Graig Llech Gorge (da es geregnet hatte,  war der Weg aber etwas matschig und man musste aufpassen nicht auszurutschen).

Der Wasserfall ist mit ca. 27 Metern einer der höchsten in Südwales.

Das Besondere hier  ist , dass man hinter den Wasserfall gehen kann und durch den „Vorhang“ schauen kann.

Zu Hollywood-Ehren kam er auch schon:  In “Batman – the Dark Knight rises” befand sich hinter dem Wasserfall der Eingang zur Bat-Höhle.

Ich war dort- und habe weder Batman noch seine Höhle gefunden…

Sehenswert war Henrhyd Fall aber auf jeden Fall.

https://www.nationaltrust.org.uk/brecon-beacons/trails/henrhyd-falls-and-nant-llech-walk

Nur wenige Meilen davon entfernt befindet sich die Penderyn Distillery, die einzige Whisky-Destillerie in Wales. Wir haben sie in einer etwa einstündigen interessanten  Tour besichtigt und vieles  über die Herstellung des walisischen  Whiskys und Gins erfahren  (und gleich vor Ort probiert! ). Einkaufen kann man die leckeren Sachen dort direkt im Shop ebenfalls.  Für Whisky- und Gin-Fans ein Vergnügen!!

http://penderyn.wales/

Blaenavon

Vor meinem  Besuch von Blaenavon war mir nicht wirklich bewusst, dass Wales mit seinen Bodenschätzen Kalk, Eisenerz und Kohle  im 18. und 19. Jahrhundert einer der  wichtigsten Schauplätze der Industriellen Revolution war.

In Blaenaveon  in den Brecon Beacons wurde schon ab dem 16. Jahrhundert Eisenerz gewonnen, im 19. Jahrhundert stand hier eine der größten Eisenschmelzen Großbritanniens. 

Nach Schließung der Industrieanlagen  drohte das Städtchen, wie viele andere alte Industrieorte, nach der Stillegungswelle verfallen.

Doch im Jahr 2000 kam die Eisenhütte auf die Welterbe-Liste der UNESCO und 2004 wurde die Kohlezeche als Schaugrube wieder geöffnet.

Seitdem geben die restaurierten Anlagen einen wunderbaren Einblick in die Industrialisierung der Region.

Wir besuchten als erstes The Big Pit– die alte Kohlenzeche am Rand von Blaenavon:

Die ehemalige Kohlezeche auf einer Anhöhe etwas außerhalb des Ortes  wurde 1812  gegründet, um Kohle als Brennstoff für die bereits länger bestehende Eisenhütte abzubauen.  1980 wurde sie stillgelegt, 2004 als Schaugrube wieder geöffnet. Seitdem kann man sich in Ausstellungen und restaurierten Gebäuden wie der alten Schmiede ein Bild über den Bergbau in früheren Zeiten  machen.

Der alte Förderturm steht noch weithin sichtbar als Wahrzeichen der Zeche.

Mit Helm und Lampe ausgerüstet kann man auch, von ehemaligen Bergleuten geführt, unter Tage.

Wir haben darauf verzichtet, weil wir unseren Hund dabei hatten (der uns auf dem Gelände hier begleiten durfte), aber es gab auch über Tage genug Interessantes zu sehen.

Besonders  anschaulich war dargestellt, wie die Kohlearbeiter ab 1939 die Duschen benutzen mussten.

Der Eintritt ist frei!

https://museum.wales/bigpit/

Im Ort selbst befindet sich die ehemalige Eisenhütte Blaenavon Ironworks, das am besten erhaltene Industriedenkmal seiner Art in Westeuropa.

 

Außer den Industrieanlagen werden auf dem Gelände auch alte Arbeiterwohnhäuser mit der Einrichtung  aus verschiedenen Zeiten des späten 18. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts  ausgestellt, in denen man die beengten Wohnverhältnisse früherer Tage erkennen kann.

Der Eintritt ist frei, Spenden werden jedoch gern entgegengenommen.

https://cadw.gov.wales/daysout/blaenavonironworks/visitor-information

Sowohl die Kohlenzeche als auch die alte Eisenhütte  erläutern sehr anschaulich und kurzweilig  die Geschichte der Region und der Industriellen Entwicklung. Wie ich finde, ein wichtiger Beitrag, um das Land und seine Bewohner zu verstehen.

Weitere Informationen gibt es im Blaenavon World Heritage Center.

http://www.visitblaenavon.co.uk/en/Homepage.aspx

Carreg Cennen Castle

Malerisch auf einem Hügel thront die Ruine der bereits im 15. Jahrhundert zerstörten Burg .

Wir waren früh am Tag da und das Wetter hätte etwas besser sein konnen, aber dafür konnten wir diese Ruine alleine genießen.

Völlig ungestört konnten wir alles ganz in Ruhe erkunden.

Der steile Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn der Blick auf die Brecon Beacons war von hier oben einfach grandios!

 

 Der Eingang mit Tea Room gehört zu der Fuß des Hügels liegenden Farm.

Eintritt 5,50 Pfund (Erwachsener)

http://www.carregcennencastle.com

Rotmilanfütterung im Bwlch Nant yr Arian Forest Visitor Center

Auf einer Anhöhe in den Cambrian Mountains findet man den Bwlch Nant Yr Arian Forest Visitor Centre (ich habe keine Ahnung, wie man das ausspricht!)

Mitten in einer bewaldeten Hügellandschaft  mit wunderschönem Blick ins Tal bis hin zum Meer befindet sich ein Eldorado für Mountainbiker, Wanderer oder einfach nur Naturliebhaber.

Wir sind aber hierher gekommen, um bei der alltäglichen Rotmilan-Fütterung (Red-Kite-Feed) zuzusehen. Der Rotmilan ist der Nationalvogel von Wales und er wird, nachdem er vom Aussterben bedroht war, inzwischen besonders geschützt.

Jeden Nachmittag um 15 Uhr (Winterzeit 14.00 Uhr) versammeln sich sowohl die menschlichen Besucher um den See am Visitor Center als auch die gefiederten Besucher am Himmel (woher kennen die die Uhrzeit?)

Mit Beginn der Fütterung stürzen sich etwa eine halbe Stunde lang über einhundert Rotmilane zu Boden, um sofort wieder mit ihrer Beute im Schnabel wegzufliegen. Ein beeindruckendes Spektakel, das sich auf jeden Fall zu besuchen lohnt.

Ein Cafe und einen kleinen Andenkenshop gibt es im Visitor Center, der Eintritt ist frei, Parkgebühren 3 Pfund für 3 Stunden.

https://naturalresources.wales/bwlchnantyrarian?lang=en

Auf den Mount Snowdon

Fast schon hochalpin (besonders wenn man ihn vom Meer aus betrachtet) kommt er uns vor, auch wenn seine höchste Erhebung, der Mount Snowdon, gerade einmal 1085 m misst- der Snowdonia Nationalpark.  Die Waliser nennen ihn Eryri; den Adlerhorst. Schroffe Bergketten, dazwischen stille Seen und grüne Täler- 1951 gegründet ist er mit 2142 qkm der größte Nationalpark von Wales und ein Paradies für Naturliebhaber. Besonders Wanderer und Mountainbiker kommen hier voll auf ihre Kosten.

Unbestrittener Hotspot des Snowdonia National Park, wenn nicht sogar von ganz Wales, ist der Berg, der dem ganzen Park seinen (englischen) Namen gegeben hat: der Mount Snowdon:  der höchste Berg von Wales und die höchste Erhebung Großbritanniens südlich von Schottland.

Einmal auf dem Gipfel des Mount Snowdon zu stehen, ist ein Highlight einer Wales-Reise.

Und viele Weg führen auf den Mount Snowdon (oder Yr Wyddfa, wie ihn  die Einheimischen nennen):

Sechs Wanderwege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade sowie die einzige Zahnradbahn Großbritanniens, die Snowdon Mountain Railway.

Eigentlich hatten wir den Ehrgeiz gehabt, den Berg zu Fuß zu erklimmen und wählten dazu den Llanberis Path, der zwar mit 7,5 km der weiteste der Wanderwege ist, aber von der Steigung her der einfachste.

Beginn des Weges ist der Ort Llanberis, wo auch die Snowdon Railway ihren Startpunkt hat.

Als wir den Ort erstmal hinter uns gelassen hatten, führte der Weg fast parallel zur Bahnlinie und so hatten wir während des Aufstiegs immer wieder herrliche Blicke auf die schnaufenden (und teilweise dampfenden) Züge.

Bis zur Station „Halfway House“ (etwa auf halber Strecke, wie der Name schon sagt) war der Weg nicht allzu steil und anstrengend.

Leider mussten wir kurz vor „Halfway House“ feststellen, dass immer mehr Wolken aufzogen und der Berggipfel inzwischen schon nicht mehr zu sehen war. An einen schönen Ausblick von oben wäre nicht zu denken gewesen! Und in Regen wollten wir am Berg schon gar nicht kommen.

Deshalb beschlossen wir schweren Herzens, umzudrehen, wieder ins Tal zurück zu laufen und uns lieber an der Talstation noch ein bisschen umzusehen.

Nicht weit von Llanberis, am Llyn Gwynant, übernachteten wir auf dem Campingplatz und erwachten am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel!

Spontan änderten wir unsere Pläne für den Tag und beschlossen, doch noch den Gipfel des Mount Snowdon zu erreichen. Diesmal allerdings auf die bequemere Weise, nämlich mit der Zahnradbahn!

Seit 1896 führt sie Besucher auf den Gipfel und ist die einzige Zahnradbahn Großbritanniens. Heute kann man zwischen Dieselzügen und (etwas teureren) Dampfzügen wählen. Oft sind die Fahrten schon im Voraus gebucht, weshalb man sich, wenn man spontan mitfahren möchte, auch schon mal auf eine Wartezeit einstellen muss.

Wir hatten aber  Glück und mussten an diesem Morgen nur eine Stunde bis zur Abfahrt warten.

 

Eng beieinander sitzt man in den Waggons auf Holzbänken, während der Zug gemächlich den Berg hinaufzuckelt.

Unterwegs schon hat man herrliche Ausblicke, ein kleiner Vorgeschmack auf den Gipfelblick…

Drei kurze Haltestationen zum Passieren des Gegenzugs bzw. Weichenumstellung gibt es unterwegs und nach etwa einer Stunde fährt man in die Bergstation ein.

Dann noch ein paar wenige Stufen und man steht auf dem Gipfel!

Der Blick ist einfach atemberaubend! Natürlich: wenn nicht hier, auf dem höchsten Punkt des Landes, wo dann sonst?

Den Nationalpark zu unseren Füßen, das Meer über 1000 Meter unter uns, nur etwa 25 km Luftlinie entfernt

Das hat sich gelohnt!

Allerdings haben wir auch ein wenig ein schlechtes Gewissen, denn um uns herum stehen all die abgekämpften Wanderer, die den Aufstieg aus eigener Kraft geschafft hatten, während wir die bequeme Anreise bevorzugt haben..

Eine halbe Stunde dürfen wir uns oben aufhalten (ein Visitor Center und ein Restaurant gibt es auch in der Bergstation), dann fährt die Bahn wieder zurück. Wie am Tag zuvor beginnen um die Mittagszeit wieder die Wolken aufzuziehen und kurz nachdem unser Zug die Bergstation wieder verlassen hat, ist der Gipfel bereits wieder in den Wolken verschwunden.

Es war die beste Entscheidung, so früh wie möglich am Morgen hochzufahren!

https://snowdonrailway.co.uk/

Portmeirion

Wo sind wir hier? In Großbritannien oder in Italien? In einer  Stadt oder einem Museum? Oder doch einer Filmkulisse?

Das fragt man sich zwangsläufig, wenn man Portmeirion betritt.

Idyllisch in der Tremadog Bay gelegen ist es das Lebenswerk des Architekten Sir Bertram Clough Williams-Ellis (1883–1978).

Er kaufte sich 1925 ein Stück verwildertes Land, errichtete dort zunächst ein Hotel, um dann, nach und  nach, im Laufe der Zeit eine künstliche Stadt nach seinen Vorstellungen entstehen zu lassen.

Mit Portmeirion wollte er unter Beweis stellen, dass geplante Architektur und die Einbeziehung und Erhaltung der natürlichen Landschaft kein Widerspruch sein mussten. Wichtig war ihm, dass seine neu, meist im klassischen Stil errichteten Gebäude keinesfalls wie Neubauten aussahen.

Über viele Jahre sammelte er Teile alter, zum Abriss freigegebener Gebäude, meist stattlicher Herrenhäuser, aber auch viele andere Objekte, um sie zu neuer Architektur zu verbinden.

Fast alle Gebäude sind in bunten Pastellfarben angestrichen- so wollte er auch ein Stück mediterranes Flair ins nördliche Wales bringen.

Portmeirion war nie dafür gedacht,  dauerhaft bewohnt zu sein, lediglich Feriengäste können sich hier einmieten.

Jährlich kommen etwa 200000 Besuchern aus aller Welt hierher,  die beeindruckt vom Werk  Sir Clough Williams-Ellis´ sind und auch den Eintritt von 11 Pfund (in der Hochsaison) nicht scheuen.

Hunde dürfen hier übrigens nicht mit hinein. Autos aber auch nicht!

Absolut fasziniert bin ich stundenlang durch den Ort geschlendert und  habe die teilweise scheinbar absurde Zusammensetzung verschiedener Architekturstile zu völlig neuen Bauwerken bewundert. Eine indische Tänzerin auf einer griechischen Säule? Pavillons, die einst Wagendurchfahrten in Herrenhäuser  waren? Es gibt unendlich viel zu entdecken!

Wen wunderts, dass Portmeirion auch schon für Filmaufnahmen genutzt wurde. In den 60 er Jahren spielte hier die in Großbritannien sehr beliebte Serie „The Prisoner“.

In den Häusern sind Restaurant, Cafes, Eisdielen (zur Stärkung zwischendurch) und auch kleine Geschäfte untergebracht, in denen man vor allem Souvenirs und Keramik kaufen kann. Es gibt sogar eine eigene Porzellan-Marke, gegründet von der Tochter William-Ellis´.

Dieser absolut einzigartige Ort, verrückt, ein bisschen kitschig,  aber doch vor allem die geniale Verwirklichung einer Vision, hat mich völlig begeistert .

https://portmeirion.wales/about/history-of-portmeirion

https://www.merian.de/wales/europa/artikel/portmeirion-dorf-des-schoenen-seins

Ty Coch Inn

Eine der besten Beach Bars der Welt – als ich diese Bewertung des Ty Coch Inn auf der Halbinsel Llyn gelesen hatte, hatte ich es nicht wirklich geglaubt. Dort -im Norden eines Landes im nördlichen Europa – eine  der Top-10- Strandbars der Welt?

Skeptisch wie ich war, musste ich mich unbedingt selbst überzeugen!

Wir parkten auf dem National Trust Car Park Morfa Nefyn im Norden der Halbinsel Llyn und machten einen schönen Strandspaziergang  von etwa einer Meile entlang der Bucht von Porthdinllaen.

Am Ende der Bucht erwartete uns ein rot-weißgestrichenes Häuschen und jede Menge Menschen.

Sowohl am Strand als auch an den Tischen, die zur Bar gehörten, war ordentlich viel los.  Einheimische beim Feierabendbierchen, Urlauber, Familien- alles traf sich hier.

Voll war es- doch wir hatten Glück und ergatterten einen Platz mit Blick auf Meer!

Die Stimmung war locker, alle genossen das schöne Wetter.

Sogar Yoda fand Freunde…

Die Bestellung musste man im urigen Pub drinnen aufgeben,  Getränke konnte man  gleich mitnehmen, Speisen wurden an den Tisch nach draußen gebracht.

Ein Pint, ein Gläschen Wein und leckeres Essen – in der Sonne sitzen und den Blick auf Meer genießen- ja, das ist Urlaub.

Und als sich dann- nach etwa einer Stunde- der Nebel auf der anderen Seite der Bucht auflöste und wir  den freien Blick auf die Berge hatten, dann verstand ich auch, weshalb das Ty Coch Inn  als eine der besten Beach Bars bezeichnet wurde.

Einige Stunden verbrachten wir hier.  So richtig Lust, aufzubrechen und dieses schöne Plätzchen zu verlassen, hatten wir nicht, aber irgendwann mussten wir leider doch wieder weg…

http://www.tycoch.co.uk/

Infos:

Von Folkstone (Eurotunnel-Terminal) aus sind es über die Autobahnen M 20, M26, M25,  M4 und M48 etwa 300 km (189 Meilen) bis zur Severn Bridge bei Chepstow – lang genug, um sich an den Linksverkehr zu gewöhnen, bevor die Straßen schmaler werden.

Wenn man Zeit und Lust hat, kann man sowohl auf dem Hin- als auch einen Rückweg einen Zwischenstopp in den Cotswolds einlegen, einer herrlichen Landschaft im Westen Englands.

Doch diese sind eine eigene Geschichte wert …

http://roaddreamin.de/die-cotswolds-das-herz-englands/

Fazit:

Wales hat vieles zu bieten: Große Geschichte, beginnend bei den Kelten und den  Römern, aber  besonders das bewegte Mittelalter (die durch die vielen Burgen belegten Grenzstreitigkeiten mit dem benachbarten England). In neuerer Zeit dann die Zeugen der Industrialisierung, vor allem des Bergbaus,  und ganz besonders die grandiose Natur: Grüne Hügel und tiefe Täler, wunderschöne weite Strände,   grandiose Wasserfälle und eine vielfältige Fauna.

Für Eisenbahnfans gibt es einige historische Zugstrecken, Wanderer und Tierbeobachter kommen auf ihre Kosten und wer einfach nur die Ruhe in der Natur sucht, ist hier auch richtig. Wales ist, im Gegensatz zu anderen, vielleicht bekannteren Urlaubszielen in Großbritannien wie Cornwall oder Schottland, einsamer (abgesehen von wenigen Hotspots wie z.b. Mount Snowdon ) und man findet, wenn man möchte, viele ruhige Plätzchen für sich allein.

Und vor allem die Menschen hier sind sehr freundlich (und besonders im Straßenverkehr uns „Festlandeuropäern“ gegenüber sehr rücksichtsvoll)!

Daher „hwyl fawr  Gymru“- Auf Wiedersehen Wales

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