Kulinarischer Camper-Traum im Herzen Frankens –„Zur Burgschänke“ Friedrichsthal

Klein und völlig unbekannt – das sind nach unserer Erfahrung meist die tollsten Entdeckungen auf einer Reise. Nicht unbedingt die großen Sehenswürdigkeiten, die populären Instagram-Motive, wo es jeden hinzieht – nein, vielmehr machen uns die verborgenen Juwelen, die wir einfach zufällig im Vorbeifahren finden, oft glücklicher als erwartete Berühmtheiten.

Und genauso so ein „Hidden Gem“ möchte ich euch heute vorstellen:

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz auf der Heimreise aus Süddeutschland stoßen wir bei „Park4night“ auf den Stellplatz „Zur Burgschänke“ in Friedrichsthal. Die Bewertungen klingen gut, deshalb wollen wir ihn ausprobieren und machen uns auf den Weg.

Friedrichsthal

Doch wo liegt dieses Friedrichsthal? Da müssen wir uns auf unser Navi verlassen, denn wir haben keine Ahnung!

Die Auflösung? Würde man Linien von Ansbach über Dinkelsbühl zu den Ausflugsgebieten Hesselberg und Fränkisches Seenland ziehen, liegt Friedrichsthal fast genau in der Mitte.

Es entpuppt sich bei unserer Ankunft als kleines Nest mit gerade einmal 38 Einwohnern in 12 Häusern!

Und einem Gasthof mit Wohnmobilstellplatz – der „Burgschänke“.

Der Stellplatz

 ist eine große Wiese am Ortsrand, die wir uns an diesem Wochenende mit etwa 15 anderen Campern teilen. Mit tollem Blick in die wunderschöne Landschaft!

Eingeteilte Parzellen gibt es nicht, sondern jeder kann sich den Platz suchen, der ihm gefällt. So lieben wir das schon mal.

An einigen Plätzen gäbe es auch Stromanschluss, den wir aber nicht brauchen.

Als unser „Beni“ an einem schönen Plätzchen steht, schauen wir uns erst mal um, denn anmelden müssen wir uns ja auch irgendwo.

Ich gebe es zu: bei meinem ersten Rundgang bin ich ein wenig abgeschreckt!

Das ganze Areal wirkt wie eine große Baustelle.

Die Toilette ist in einem einfachen Container untergebracht, alles wirkt eher provisorisch.

Auch die Gaststube der „Burgschänke“, in der ich auf der Suche nach den Betreibern des Platzes lande, wirkt auf den ersten Blick ein wenig chaotisch.

Dies ist aber, so erfahre ich später, der Corona-Situation geschuldet, da vor der (hoffentlich zeitnah möglichen) Neueröffnung des Restaurants noch einiges zu tun ist.

Und dann lerne ich unsere Gastgeber kennen:

Susi und Manni

Offen, freundlich und redselig werden wir in Empfang genommen. Allerdings – ich brauche ein wenig Zeit, um mich an den trockenen Humor der beiden zu gewöhnen. Besonders Susi schafft es, mit todernstem Gesicht Scherze zu machen, bei denen ich mir dann doch einen Moment überlege, ob sie das jetzt nicht doch ernst gemeint hat.  Aber nein- ihr sitzt einfach der Schalk im Nacken!

So dauert es nicht lange, bis  wir die beiden ins Herz geschlossen haben. Sie geben uns (aber natürlich auch allen anderen Gästen) schnell das Gefühl, bei Freunden zu Besuch zu sein.

Und diese Herzlichkeit der beiden macht das Besondere unseres Aufenthalts hier aus (aber nicht nur das – wartet´s ab)

Der Lebenstraum

Vor sieben Jahren kauften Susi und Manni in diesem winzigen Nest Friedrichsthal einen völlig heruntergekommenen Landgasthof. Auf über 12000 Quadratmeter Grund standen etliche halb verfallene Gebäude. Das ganze Areal war mit unglaublichen Mengen von Müll übersäht. Doch die beiden sahen hier das Potenzial, ihren Traum verwirklichen zu können.

Den Gasthof „Zur Burgschänke“ eröffneten sie dann vor sechs Jahren.

Neben dem üblichen Restaurantbetrieb finden hier auch, wenn die Corona-Lage es nicht verbietet, monatliche Musikantentreffen statt. Dann wird in der Gaststube, im Sommer auch im Biergarten, nach Herzenslust musiziert. Jährlich im August findet sogar eine „Kerwa“ statt, zu der sich Musikanten aus ganz Deutschland hier einfinden.

Susi und Manni bieten auch Gästezimmer an und gehören zum Projekt „Radlerwirt“, einer Fahrrad-freundlichen Gastronomie-Initiative der IHK Nürnberg für Mittelfranken

https://www.radlerwirt.de/

Vor fünf Jahren kam dann noch auf der großen Wiese der Wohnmobilstellplatz dazu, der inzwischen auch in den Stellplatzführer „Landvergnügen“ aufgenommen ist.

https://landvergnuegen.com/

Ich mache mit Manni einen Spaziergang über das Gelände und werde von seiner unbändigen Begeisterung richtig mitgerissen. Er sprüht nur so vor Ideen und erklärt mir genau, was er in nächster Zeit an Projekten plant: einen Pool und eine Sauna im alten Holzschuppen,

eine Sommerterrasse mit Strandkörben und Aufzug auf der großen Garage!

Und, und, und …

Aber alles in Eigenarbeit! Ich bin mehr als beeindruckt!

Eine Frage geht mir bei unserem Rundgang aber die ganze Zeit durch den Kopf: Wenn der Gasthof „Zur Burgschänke“ heißt, wo bitte ist dann die Burg dazu? Denn ich hatte eigentlich damit gerechnet, hier in der Umgebung eine alte Burgruine zu finden. Doch davon ist weit und breit nichts sehen. Also frage ich Manni danach. Statt einer Antwort zeigt er auf ein langgestrecktes Holzhaus gegenüber dem Hauptgebäude.

Und tatsächlich: bei genauerem Hinsehen entdecke ich, dass das Haus an jeder der vier Ecken einen Turm hat. Das ist Mannis „Burg“, die er selbst gebaut hat (und der Name „Zur Burgschänke“ ist nicht historisch belegt, sondern seine Idee gewesen). Denn Manni ist Mittelalterfan. Immer wieder veranstaltet er hier auch Mittelaltertreffen und Mittelaltermärkte. Die „Burg“ ist im Inneren rustikal eingerichtet und wird als zweiter Gastraum oder Aufenthaltsraum der Camper genutzt.

Noch ne Burg? Ne der Kinderspielplatz!

Umbauarbeiten, Stellplatz, Gästezimmer und Restaurant – unglaublich, was Susi und Manni als Zweier-Team hier alles stemmen (und kümmern sich natürlich auch noch um ihre zwei Kinder!).

Für all das müsste ihr Tag eigentlich mindestens 48 Stunden haben!

Und dabei sind sie die ganze Zeit gut gelaunt, herzlich und lustig – einfach nur bewundernswert!

Kulinarisches Paradies

Ab dem späten Vormittag ist Manni aber eigentlich nur noch an einem Ort auf dem Anwesen zu finden: in der Küche.

Obwohl er schon Erfahrung in der Gastronomie gesammelt hat, hat er aber nie eine Kochausbildung absolviert. Aber er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Und so zaubert er hier täglich jede Menge leckerer Mahlzeiten. Kreative Hausmannskost – so würde ich sie beschreiben.

Ein kleiner Auszug aus der Speisekarte gefällig? Bitte sehr:

Schweinelendchen im Speckmantel mit hausgemachten Spätzle und Pilzrahmsoße, dazu Erdbeer-Spargel-Salat

Zander auf Sellerie-Kartoffelpüree mit Pfifferling-Speck-Sauce und Salat

Wolfsbarsch auf Sellerie-Kartoffel-Püree mit Shrimps-Limettensauce und Salat

Karpfen mit Kartoffelsalat

Wildschweinschnitzel in Kürbiskernpanade mit Kartoffeltaler und Salat

Bierbraten vom Rind mit Blaukraut, Kloß und Salat

Tolle Fotos davon findet ihr auch unter

https://www.facebook.com/ZurBurgschaenke/

Na? Läuft euch schon das Wasser im Mund zusammen?

Uns auf jeden Fall, als Susi das alles aufzählt!

Wir können einzelne Gerichte wählen oder sogar ein 3-Gänge-Menü mit Suppe und Dessert bekommen.

Manni legt übrigens viel Wert auf die Verwendung regionaler Produkte und eine natürliche Verarbeitung.  Salat kommt aus dem eigenen Garten (und er plant noch einen größeren Gemüsegarten)

Die Gaststube können sie derzeit natürlich nicht betreiben, aber das Essen kann bestellt und dann später abgeholt und im oder am Wohnmobil verzehrt werden.

Wir entscheiden uns für den Abend für das Wildschweinschnitzel und den Zander. Weil alles frisch gekocht wird und wir natürlich nicht die einzigen Gäste sind, kann nicht so genau vorhergesagt werden, wann unser Dinner fertig sein wird. Aber kein Problem – einfach die Handynummer bei Susi hinterlassen und entspannt vor dem Wohnmobil (schon mal mit dem ersten Glas Wein) auf den Anruf warten.

Bis dahin bleibt uns aber am Nachmittag noch genügend Zeit für einen ausgiebigen Hundespaziergang durch die wunderschöne Landschaft, die Friedrichsthal umgibt.

 

Dann ist es soweit:

Und es ist einfach unglaublich lecker!!!!

Wir werfen sogar unsere guten Vorsätze über Bord und gönnen uns spontan noch ein Dessert: hausgemachten Palatschinken!

Yummy!

Wir können absolut verstehen, dass manche Camper seit Jahren immer wieder hierher kommen, zum Beispiel auch zum alljährlichen Silvesterbüffet, das außergewöhnlich lecker und reichhaltig sein soll.

Himmlische Erscheinung

Satt und zufrieden sitzen wir nach diesem vorzüglichen Dinner vor unserem Camper. Im nahen Wald hören wir Rehe bellen und aus den Fischweihern der Umgebung ertönt ein Froschkonzert als abendliche Unterhaltung. Näher an der Natur geht es kaum!

Die Sonne geht langsam unter und in der ländlichen Abgeschiedenheit breitet sich mit zunehmender Dunkelheit über uns ein unglaublicher Sternenhimmel aus!

Und auf einmal ziehen, wie Perlen an einer Schnur, dutzende Lichter in einer geraden Linie über den Nachthimmel! Eine fast außerirdische Erscheinung, die ein klein wenig Gänsehaut bei mir auslöst.  Das Phänomen ist aber nach kurzer Recherche schnell geklärt: es sind die Satelliten des Projekts „Starlink“ von SpaceX, des Raumfahrtunternehmens von Elon Musk.

Aber dieses außergewöhnliche Erlebnis ist absolut passend zu diesem besonderen Tag hier in Friedrichsthal! Und ein krönender Abschluss!

 

Und wir werden wiederkommen. Wegen des hervorragenden Essens und natürlich wegen dieser wunderbar herzlichen Gastgeber!

Info:

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