Backsteinkunst für Gott – das Kloster Chorin in Brandenburg

Ehrfürchtig schaue ich die hohen Backsteinmauern empor und frage mich, was sie mir alles erzählen würden, wenn sie sprechen könnten. Seit fast 750 Jahren stehen sie hier und sind Teil eines der schönsten Bauwerke der norddeutschen Backsteingotik- dem Kloster Chorin in Brandenburg.

Mittelalterliche Klosterruinen faszinieren mich immer wieder.  Mystisch und geheimnisvoll sind sie, aus längst vergangenen Zeiten. Und mit welchen Anstrengungen vor vielen hundert Jahren der Bau solch riesiger Gebäude verbunden war, kann ich mir seit der Lektüre von Ken Follets „Die Säulen der Erde“ lebhaft vorstellen. Mich beeindruckt immer wieder, wie trotzdem keine Mühen gescheut wurden, wenn es galt, Gott ein Haus zu bauen.

Und noch mehr imponiert mir, welche prachtvollen Gebäude angesichts der damals doch recht eingeschränkten technischen Möglichkeiten entstanden sind.

Die Zisterzienser von Chorin

Und das ehemalige Zisterzienserkloster Chorin ist ein besonders gelungenes Werk. Die Mönche selbst bauten dieses Schmuckstück auf, war die handwerkliche Tätigkeit doch ein wichtiger Teil der klösterlichen Lebensauffassung des Ordens. Ora et labora – beten und arbeiten, das war der Alltag und die Lebenserfüllung der Mönche.

Der Bau begann 1273, als das ursprünglich etwa 12 Kilometer weiter östlich am Parsteiner See gegründete Kloster Mariensee wegen schlechter Bodenbeschaffenheit aufgegeben wurde.

https://www.kloster-chorin.org/geschichte/

 

Wie viele andere Klosteranlagen des Mittelalters liegt Kloster Chorin in idyllischer Landschaft, nämlich am Ufer des ehemals Choriner Sees genannten heutigen Amtssee, inmitten der wunderschönen waldreichen Uckermark. Ja, die Mönche damals wussten schon ein schönes Fleckchen Erde für ihr neues Zuhause zu würdigen.

Einen tollen ersten Eindruck bekomme ich, als ich vom Parkplatz aus im Park entlang des Sees erst einmal die ganze Klosteranlage umrunde.

Der erste Blick auf die kunstvollen Fassaden! Erstmalig wurde hier in Chorin die filigrane, gotische Ornamentik in Backstein verwirklicht und nach diesem Vorbild danach viele weitere Kirchenbauten in Norddeutschland errichtet.

Einfach faszinierend!

Mitten auf der Wiese außerhalb der Klostermauern finde ich, als wahrscheinlich ältestes Gebäude hier, die Ruine der alten Mühle, die wohl schon vor dem Kloster hier stand. Sie wurde von den Mönchen ausgebaut und genutzt. Und sie war nicht gerade klein! Das zeigt mir, wie bedeutend Kloster Chorin im Mittelalter war.

Durch das Kloster

Das ehemalige Stallgebäude zur Straße hin ist heute der Eingang. An der Kasse vorbei, durch die Tourist-Info und den Souvenirshop komme ich innerhalb der Klostermauern wieder ins Freie und habe zum ersten Mal den Blick auf die gesamte Klosteranlage:

Wunderschön!

Ich stelle allerdings fest, dass das Kloster nicht ganz so verfallen ist, wie ich es von anderen alten Abteien kenne. Das liegt wohl daran, dass zwar die Mönche das Kloster bereits 1542 nach der Reformation aufgegeben hatten (und es danach lange Zeit als Viehstall genutzt wurde!), der berühmte preußische Architekt Karl Friedrich Schinkel aber zu Beginn des 19. Jahrhundert im Geiste der Romantik die Schönheit der Klosterruine erkannte und mit Hilfe des damaligen preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. den weiteren Verfall stoppte.

Ehrfürchtig durchstreife ich die gesamte Anlage und spüre in der Ruhe noch ein bisschen die Magie der Vergangenheit:

Der Rest des Brunnenhauses

die ehemalige Küche

der wunderschöne Kreuzgang

die kunstvolle Fassade des alten Brauhauses

Immer wieder ein neuer Raum und ein neuer, wunderschöner Ausblick

Die riesige Klosterkirche lässt mich selbst als Ruine noch ihre einstige Pracht erahnen:

Plötzlich scheint dann doch angesichts der altehrwürdigen Mauern meine Phantasie mit mir durchzugehen: Ich höre Mönche singen! Neugierig folge ich den Klängen der vielstimmigen Choräle und finde im Seitentrakt eine sehr interessante Ausstellung über das frühere Leben der Mönche im Kloster (die Gesänge sind natürlich nicht live, sondern Teil eines Videos!)

 

Auch an anderen Stellen des Klosters sind sehr interessante Ausstellungen platziert:

Das Kloster Chorin möchte in all seinen Details entdeckt werden, deshalb: Lasst euch Zeit und erkundet in Ruhe jede Ecke und jeden Winkel.

Richtig gut kann ich mir hier die beliebten, stimmungsvollen Konzerte vorstellen, die leider 2020 nicht stattfinden können.

https://www.choriner-musiksommer.de/

Ein wenig erschöpft angesichts der vielen Eindrücke sitze ich am Ende meines Rundgangs im gemütlichen Kloster-Cafe´ und genieße noch einen Cappuccino lang den Blick auf das wunderschöne Gebäude!

Wenn ihr von alten, geheimnisvollen Gemäuern und kunstvoller Architektur genauso fasziniert seid wie ich, dann kann ich euch nur empfehlen, das Schmuckstückchen Kloster Chorin zu besuchen.

Info

Öffnungszeiten

Sommerzeit: Täglich 9:00 – 18:00 Uhr
Winterzeit: Täglich 10:00 – 16:00 Uhr

Eintrittspreise

Erwachsene: 6,00 EUR
Ermäßigt / Kinder (ab 7 Jahre): 3,50 EUR
Familien: 13,00 EUR

Zu Führungen und Veranstaltungen:

https://www.kloster-chorin.org/

Anreise

Kloster Chorin liegt in der Uckermark etwa 12 Kilometer nördlich von Eberswalde und etwa 75  Kilometer nordöstlich von Berlin.

Anfahrt ab Berlin über die A11 bis Ausfahrt Finowfurt.  Über die B167 nach Eberswalde und die Angermünder Chaussee zum Kloster Chorin.

Das Kloster liegt etwa 3 Kilometer außerhalb des Ortes Chorin.

Neugierig geworden auf die Uckermark? Meine anderen Tipps für die Region findet ihr unter :

http://roaddreamin.de/5-ungewoehnliche-orte-in-der-uckermark-die-ihr-mal-besuchen-solltet/

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