Granhults kyrka – ein unerwarteter Schatz in Småland

Ein einfacher, unscheinbarer Wegweiser zeigt nach links. Wir biegen vom Riksväg 31 (von Vetlanda nach Süden Richtung Kalmar, mitten in Småland) ab und folgen dem kleinen Weg durch den Wald.  Nach etwa 600 Metern stehen wir vor der angekündigten „Granhults kyrka“.  Nichts hatte bisher darauf hingedeutet, dass sich hier, in der schwedischen Einsamkeit, ein ganz außergewöhnliches Bauwerk versteckt –  die älteste Holzkirche Schwedens.

Das Kirchengebäude mit einem kleinen Friedhof drumherum, ein Glockenturm, alles von einer Mauer umgeben und nur durch ein Torhäuschen zu betreten – das ist alles.

Seit 1220, also seit dem tiefsten Mittelalter, steht die Granhults kyrka hier in ihrer typisch skandinavischen Bescheidenheit, mit klarem Grundriss und aus schlichtem braunen Holz.

Natürlich nicht mehr ganz in ihrer ursprünglichen Form, denn das war ein fensterloser Raum mit nur vier kleinen Luftöffnungen hoch oben unterm Dach.

Und interessanterweise mit zwei Eingängen:  die Männer durften durch eine 180 cm hohe Tür an der Südseite den Kirchenraum betreten, die Frauen mussten um die Kirche herum und auf der Nordseite durch eine nur 160 cm hohe Tür hinein.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde einiges verändert:

Die Sakristei wurde im 16. Jahrhundert angebaut, der Glockenturm 1703, das vorgebaute Eingangshäuschen (Vorhalle)  1723 und das Torhäuschen 1731.

Ach ja, im 17. Jahrhundert wurden endlich auch Fenster eingebaut.

Das meiste davon kann ich auf einem Schild vor dem Eingang nachlesen.

Neugierig geworden, möchte ich mich jetzt doch genauer umschauen.

Mein Weg zur Kirche erinnert mich ein wenig an einen Hindernisparcour: erst durch die „Stiglucka“, das Torhäuschen  ( dafür erst mal den Riegel der schweren Holztür öffnen und sorgfältig hinter mir wieder schließen) auf den Friedhof und dann durch das „Vapenhus“, die Vorhalle,  in den eigentlichen Kirchenraum.

Doch Vorsicht: die Tür hat noch immer die ursprüngliche Höhe von 180 cm – also besser den Kopf ein wenig einziehen!

Drinnen müssen sich meine Augen einen Moment an das dämmrige Licht, das durch die wenigen Fenster fällt, gewöhnen, doch dann komme ich aus dem Stauen nicht mehr heraus.

Auf das, was ich sehe, war ich ganz und gar nicht vorbereitet:

Die Holzwände und die Decke sind über und über bunt bemalt!

Die meisten Malereien stammen von Johan Christian Zschotzscher (wohl aus dem Jahr 1753)

Das Altarbild mit dem gekreuzigten Jesus wurde 1699 von Tobern Röding geschaffen.

Die wunderschöne Holzkanzel wurde 1669 angebracht. Ihr Deckel ist aber wohl schon etwas älter (angeblich 1650) und diente bereits der Vorgängerkanzel als Schallverstärker.

Beeindruckend sind auch die Wandmalereien in der Sakristei. Sie sind sogar noch älter als die Kunstwerke im Kirchenschiff und werden auf das frühe 17. Jahrhundert datiert.

Sie sollen Motive aus dem ersten Buch Mose darstellen und nach Vorlage der Bibel König Gustav II. Adolfs entstanden sein.

Oben an der Decke ist Gott auf seinem himmlischen Thron verewigt.

Während im Nachbarland Norwegen die berühmten Stabkirchen Touristenattraktionen und gut besucht sind, ist die Granhults kyrka fast unbekannt und auch in Reiseführern kaum erwähnt.

Deshalb kann ich dieses Juwel aus Holz und Farbe alleine und in völliger Ruhe genießen.

1830 sollte die Kirche übrigens aufgegeben und abgerissen werden, so wollte es zumindest der damalige Bischof des Bistums Växjö, Esaias Tegnér. Sollten die wenigen Bewohner von Granhult doch die neue Kirche im Nachbarort Nottebäck nutzen. Aber zum Glück kämpften die Granhulter eisern und erfolgreich für den Erhalt ihres Kirchleins, denn es wäre sehr sehr schade, wenn dieses Schmuckstückchen verloren gegangen wäre.

http://www.granhultskyrka.org/

Zur Granhults kyrka findet ihr auf dem Riksväg 31.

Den Besuch der Kirche könnt ihr super mit einem Trip durch das nahe Glasreich verbinden: http://roaddreamin.de/huetten-im-wald-durch-smalands-glasreich/

Tipp: Falls ihr auf Eurer Schwedenreise Kirchen besichtigen möchtet, lasst Euch nicht dadurch verwirren, dass auf Hinweis- bzw. Verkehrschildern das schwedische Wort für Kirche – kyrka – oft „k:a“ abgekürzt wird, also z.B. „Granhults k:a“

Habt Ihr auch ein schönes Plätzchen in Schweden entdeckt, das Ihr empfehlen möchtet? Oder habt Ihr irgendwelche Fragen zu einem (Camping-)Urlaub in Schweden? Dann hinterlasst gerne einen Kommentar

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