Meine Tipps für die Höga Kusten- UNESCO-Weltnaturerbe in Schweden

Wenn ihr mit dem Camper Richtung Nordschweden unterwegs seid, solltet ihr eine Region meiner Meinung nach auf keinen Fall verpassen: das UNESCO-Weltnaturerbe Höga Kusten.

Wandern, Campen oder einfach nur Staunen:  Dieser weltweit einzigartige Landstrich bietet euch viele Möglichkeiten für außergewöhnliche Erlebnisse.

Höga Kusten – noch nie gehört?

Das ist nicht ungewöhnlich, denn die „Hohe Küste“ war selbst in Schweden sehr lange eine eher unbekannte Gegend. Erst in den letzten  Jahrzehnten ist entdeckt worden, dass sie ein Paradies für Outdoor-Aktivitäten ist. Und seitdem wird sie immer bekannter.

Wo liegt die Höga Kusten?

An der Ostküste Schwedens in Ångermanland, einem Teil der Provinz Västernorrlands Län (etwa 500 Kilometer nördlich von Stockholm). Sie erstreckt sich ungefähr 100 Kilometer weit zwischen den Orten Härnösand im Süden und Örnsköldsvik im Norden.

Was macht die Höga Kusten so außergewöhnlich?

Sie ist eine geologische Besonderheit, denn sie ist die höchste Landerhebung der Welt! Während der letzten Eiszeit war Skandinavien von einer etwa 3 Kilometer dicken Eisschicht bedeckt, die das Land nach unten drückte.  Seit Beginn der Eisschmelze hebt sich das Land darunter wieder an (postglaziale Landhebung ist der Fachbegriff dafür) – hier an der Höga Kusten bisher bis auf 286 Meter. Das ist Weltrekord und jährlich kommen etwa 8 mm dazu!

Aus diesem Grund ist sie auch seit 2000 ein UNESCO-Weltnaturerbe.

Rote Granitfelsen, Berge mit atemberaubender Aussicht, malerische Fischerdörfchen und eine der längsten Hängebrücken der Welt- die Höga Kusten ist ein Traumreiseziel!

 

Was mir dort besonders gut gefallen hat und ich euch deshalb bei eurem Besuch hier empfehlen möchte, erzähle ich euch jetzt:

1. Höga Kustbron

1.867 Meter lang, 182 Meter hoch –  die 1997 eingeweihte Högakustenbron ( „Bro“ heißt „Brücke“ auf Schwedisch) ist ein Bauwerk der Superlative.  Sie ist die längste Hängebrücke Schwedens und die neuntlängste der Welt!

Anfang der1990er Jahre wurde sie über den breiten Mündungsfjord des Ångermanälven erbaut und erspart seitdem auf dem Weg Richtung Norden (oder auch Süden, dementsprechend, wo man herkommt) etwa 30 Kilometer Umweg über Kramfors.

Für uns ist sie heute (von Süden her) das Eingangstor zur Höga Kusten. Imposant ist sie schon, als sie so langsam in der Ferne auftaucht.

Ein wenig wie die Golden Gate Bridge in San Francisco! 

Und die fast zwei Kilometer lange Fahrt auf ihr erzeugt bei mir schon ein bisschen Bauchkribbeln. Denn es geht schon ordentlich tief runter! Aber der Ausblick auf den Ångermanälven ist traumhaft.

Das Vergnügen dauert aber natürlich nur ein paar Minuten. Und was dann? Weiterfahren und die Högakustenbro abhaken? NEIN!

Denn wir wollen ihren Anblick noch einige Stunden genießen. Deshalb fahren wir nach der Brücke rechts ab. Hier kommen wir nämlich zu einem Rastplatz, der durchaus einen längeren Aufenthalt wert ist.

Und zwar sogar über Nacht! Ganz offiziell erlaubt!

Und wir haben Riesenglück und erwischen den vordersten Parkplatz mit Panoramablick auf die Brücke!

Wie fast überall in Schweden gibt´s auch hier schöne Picknicktische. Wir schnappen uns gleich den ersten und bleiben erst mal eine ganze Weile hier sitzen!

Traumhaft!

Weil es aber hier am Rastplatz einiges zu entdecken gibt, ziehen wir doch nochmal zu Fuß los.

Am Ende des Parkplatzes steht das „Hotell Höga Kusten“ mit Cafe´, Restaurant und der Touristen-Information.

Und daneben gibt es einen tollen Wasserspielplatz! An Kinder wird in Schweden immer gedacht!

Ein kleiner Souvenirladen  und sehr saubere öffentliche Toiletten sind auch da! Perfekt!

Aber das ist noch nicht alles: gleich hinter dem Rastplatz erhebt sich der Hornöberget. Hier ist der Start von tollen Wanderungen, wie z.B. die auf dem 129 Kilometer langen Höga Kustleden.

Der ist natürlich heute nichts für uns, aber direkt hier am Hornöberget gibt es auch mehrere kurze Trails.

Wir gehen ein Stück des „Meditationsweges“, an dessen Stationen auf Stelen Besinnungssprüche (natürlich auf Schwedisch) zum Innehalten anregen.

Start der Wege ist übrigens der malerische Pavillon des Künstlers Anders Åberg.

Ein wenig klettern über die Felsen muss schon sein. Aber die Anstrengung lohnt sich!

Den Kaffee mit Zimtschnecken und Brückenblick auf der Terrasse des Hotels haben wir uns danach auf jeden Fall verdient!

Den Rest des Nachmittags

Abends

und den nächsten Morgen genießen wir mit dieser wunderbaren Aussicht!

Nach dem Frühstück geht´s für uns dann weiter

zum

2. Nationalpark Skuleskogen

Er umfasst 30 qkm am höchsten Punkt der Küste und wurde 1984 zum Nationalpark ernannt. Und er ist vor allem ein Wanderparadies!

Viele tolle Trails durchqueren den Park, auf denen ihr die absolut außergewöhnliche Geologie der Höga Kusten erforschen könnt.  Unbestrittener Höhepunkt aber ist, wie wir überall lesen können, die Felspalte Slättdalskrevan:  ein 100 m langer, 30 Meter tiefer, senkrechter Riss im Felsen.

Allerdings erreichen wir die Schlucht heute leider nicht!

Der kürzeste Weg dorthin beginnt am Südeingang des Nationalparks. Doch wir haben Pech: er ist derzeit geschlossen (wegen Brückenbauarbeiten, wie wir später nachlesen können). Gut, dann also Planänderung: wir fahren zum Nordeingang.

Die letzten paar Kilometer dorthin sind Schotterpiste, aber doch gut zu fahren.

Vom Nordeingang aus (hier gibt es Toiletten, jede Menge Informationen und sogar eine Feuerstelle mit bereitgestelltem Holz!)

sind es vier Kilometer bis zur Schlucht.

Klingt erst mal nach einer machbaren Entfernung. Doch haben wir nicht bedacht, dass wir ja auf Meereshöhe starten und der Weg steil nach oben führt. Das dauert dann doch länger als geplant.

Landschaftlich traumhaft,

für uns mit einem alten Hund aber leider problematischer als gedacht.

Denn ausgerechnet ein geologisches Highlight der Höga Kusten wird für Yoda (und deshalb auch für uns) ein fast unüberwindbares Hindernis:

Die „Klappersten“-Geröllfelder, die wir überqueren müssen!

Yoda rutscht mit seinen Pfoten immer wieder zwischen die Steine und hat Angst weiterzulaufen!

Deshalb brechen wir die Wanderung ab und wählen den zwar weiteren, aber nicht so steilen Rückweg über die Näskebodarna.

Aber auch wenn wir die Slättdalskrevan nicht erreichen, genießen wir die herrliche Natur des Skuleskogen Nationalparks

mit seinen wunderschönen Waldwegen

idyllischen Wasserfällen

malerischen Seen

interessanten Steinformationen

und der atemberaubenden Aussicht von der „Hohen Küste“

Aber wir sind schon froh, wieder heil unten am Meer anzukommen!

Und erschöpft!

Und die Slättdalskrevan? Heben wir uns für das nächste Mal auf! Denn im Skuleskogen Nationalpark gibt´s für uns noch einiges zu entdecken!

Unser Camper-Übernachtungstipp in der Nähe des Nordeingangs:

Näske Bryggan

ein paar wenige Stellplätze in der kleinen Marina mit einfachen WCs,

aber traumhaftem Blick

Kosten: 60 SEK in bar.

Am nächsten Tag erwartet uns ein weiteres Highlight der Höga Kusten:

3. Der Skuleberget

Mit 295 Meter Höhe ist er das Zentrum der Region für Outdoor-Aktivitäten. Verschiedene Wanderwege und Klettersteige führen nach oben auf seinen Gipfel (eigentlich mehr ein Bergplateau)

 

Nach dem Wandererlebnis des Vortags lassen wir es heute etwas gemächlicher angehen. Yoda bleibt in Beni auf dem Parkplatz (und ist froh, sich ein wenig ausruhen zu können) und wir wählen den bequemsten Weg nach oben: den Sessellift!

Schon auf dem Weg nach oben können wir die Aussicht auf die herrliche Landschaft ringsherum genießen.

Oben angekommen erreichen wir von der Bergstation des Sessellifts auf einem kurzen Spaziergang mehrere Aussichtspunkte mit atemberaubenden Ausblicken!

Hier werden wir nochmal darauf hingewiesen, an welch außergewöhnlichen Ort wir uns befinden!

Als Abschluss unseres Ausflugs auf den Skuleberget gibt´s noch (wie könnte es anders sein?) Kaffee und Zimtschnecken in der Toppstugan, dem Café auf dem Skuleberget.

Natürlich mit Aussicht! Traumhaft!

Dann geht’s mit dem Sessellift wieder runter,

denn auf uns wartet Yoda und das nächste Erlebnis:

4. Naturreservat Rotsidan

Schon vom Skuleberget aus hatten wir einen herrlichen Blick auf die zerklüftete Halbinsel Nordingrå , die sich nach Osten ins Meer vorschiebt.

Diese durchqueren wir nun,

vorbei am gleichnamigen Ort mit der wunderschönen Kirche,

bis an ihre Süd-Ost-Seite.

Hier erreichen wir das Naturreservat Rotsidan.

 

Vom Parkplatz (wie fast immer in Schweden mit Informationstafeln und Toiletten)

bringt uns ein schöner Weg durch den Wald bis ans Meer.

Und hier erwartet uns ein etwa 4 km langer Küstenabschnitt aus glatten, dunklen Felsen!

Herrlich!

Ein toller Platz zum Spazierengehen, über die Felsen hüpfen, baden und picknicken (entweder direkt auf den Steinen oder an einem der vielen schönen Picknicktische, teilweise sogar mit Feuerstellen!).

Anders als einige andere Besucher wagen wir uns heute nicht ins Meer (es ist Juni und das Wasser deshalb noch nicht wirklich warm), aber wir genießen die von der Sonne wunderbar aufgewärmten Steine!

Ein wunderschöner Ort!

Wir genießen ihn!

Nach einer ausgiebigen Pause hier im Naturreservat fahren wir ein Stückchen weiter zum nächsten Punkt auf unserer Höga-Kusten-Bucket-List:

5. Norrfällsviken

Die kleine Halbinsel mit diesem Namen umfasst gleich drei Touristenziele: Dorf, Campingplatz und Naturreservat

Zum ersten das kleine

Dorf

dessen rot angestrichene Holzhäuser sich in der idyllischen Bucht wie Perlen aneinanderreihen und sich im Meer spiegeln.

Vielleicht kommt euch der Anblick sogar bekannt vor, denn Norrfällsviken ist ein schwedisches Fischerdörfchen wie aus dem Bilderbuch und deshalb ein äußerst beliebtes Fotomotiv.

Besonders im Abendlicht ist das ein traumhafter Anblick!

Allerdings besteht das Dörfchen nur aus wenigen Häusern, die alle scheinbar private Ferienhäuser sind. Es gibt keine schnuckeligen Lädchen zum Bummeln wie in anderen Küstenorten. Das ist ein bisschen schade.

Aber zwei Restaurants gibt´s hier, in denen ihr (wie überall in Schweden nicht gerade preisgünstig) mit schönem Ausblick essen und trinken könnt.

Das letzte Haus in der Reihe am Wasser ist das „Restaurang Fiskarfänget“, in dem an Sommerwochenenden auch immer mal Live-Musik angeboten wird.

Und Blick auf den Sonnenuntergang!

Und auf der anderen Seite der Bucht das „Restaurang & Pizzeria Kompassen“,

in dem es leckere Pizza

und den Blick auf die roten Häuschen gegenüber gibt.

Die kleine Kirche von Norrfällsviken ist leider ist geschlossen, der Glockenturm umgefallen.

Ein längerer Aufenthalt im Dorf lohnt sich nicht wirklich, es sei denn, ihr seid, wie die meisten Besucher hier, gleichzeitig Gäste des gleichnamigen

Campingplatzes.

Er nimmt einen großen Teil der Halbinsel Norrfällsviken ein, ist sehr weitläufig und zu einem großen Teil auch recht ursprünglich.

Ihr findet hier Stellplätze mit Meerblick (sowohl auf die Bucht mit den Fischerhäuschen als auch, auf der anderen Seite der Halbinsel, aufs offene Meer) oder auch Plätze im Wald.

Im Sommer (und gerade über Mittsommer) ist er vor allem bei schwedischen Besuchern sehr beliebt!

Aufgrund seiner Größe gibt es mehrere Sanitäranlagen, die unterschiedliches Alter und damit auch unterschiedliche Ausstattungen haben. Toll ist, dass es fast ausschließlich Einzelkabinen gibt, in denen WC, Dusche und Waschbecken zusammen untergebracht sind.

Große Küchenräume mit Kochmöglichkeiten, Spülbecken und Sitzgelegenheiten sind auch an jedem Sanitärgebäude angebaut.

Am Strand gibt´s sogar eine (kostenlose) Sauna, Feuerstellen und zwei beheizbare Badezuber. Diese sind aber nicht gerade billig (1490 SEK, also 140 € pro Nutzung).

An der Rezeption gibt´s ein kleines Geschäft für den täglichen Bedarf. Ansonsten gibt´s in Norrfällsviken keine Einkaufmöglichkeiten.

Und der Pool hat auch schon bessere Zeiten gesehen.

Die Lage des Platzes und die Umgebung sind aber einfach traumhaft und deshalb einen Aufenthalt wert!

Bleibt noch zuletzt das

Naturreservat

vorzustellen. Es erstreckt sich über die Spitze der Halbinsel und ist auf unterschiedlichen Wanderwegen zu erkunden.

Diese beginnen an mehreren Stellen des Campingplatzes mit Informationen und Wegweisern.

Hier begegnet ihr der ganzen Schönheit der Höga Kusten mit ihren geologischen Besonderheiten.

Es geht durch den idyllischen Wald

über „Klappersten“-Felder (deshalb ist die Wanderung mit Hunden eher ungeeignet)

vorbei an Resten historischer Behausungen, den Tomtningen,

bis zu atemberaubenden Aussichtspunkten

Aber aufpassen: der Weg ist mit blauen Punkten markiert, denen ihr folgen müsst, weil ihr euch sonst in diesem Steinlabyrinth ganz leicht verlaufen und herumirren könnt. Diese Markierungen sind aber nicht immer gleich gut zu finden.

Mal sind sie auf Steinen angebracht,

mal an Bäume gemalt. 

Ist ein bisschen wie eine Schnitzeljagd.

Ich gebe es zu: ich habe mehrmals den Weg verloren und musste wieder ein Stück zurücklaufen.

Aber es ist eine wunderschöne Wanderung, die ich nur empfehlen kann!

Norrfällsviken ist der letzte Stopp unseres Höga Kusten-Abenteuers.

Von hier aus zieht es uns ins Landesinnere auf den Vildmarksvägen (https://roaddreamin.de/roadtrip-abenteuer-durch-die-schwedische-wildnis-auf-dem-vildmarksvaegen/ )

Aber zur Höga Kusten werden wir sicher noch einmal zurückkehren.

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