Toskana mit Aussicht – 3 tolle, kostenlose Übernachtungsplätze

„Area Sosta Camper“ – diesen Begriff sollte jeder, der mit einem Campingmobil in Italien unterwegs ist, kennen.

Denn „Area Sosta Camper“ bedeutet „Wohnmobilstellplatz“. Und davon gibt’s in einem Camping-begeisterten Land wie Italien jede Menge –  in allen Preislagen, Ortslagen und mit völlig unterschiedlicher Ausstattung!

Wir haben auf unserem Toskana-Trip eher zufällig drei Stellplätze entdeckt, die nichts kosten, aber einen tollen Blick in die Ferne bieten. Ich kann sie für eine Übernachtung nur empfehlen!

Und hier stelle ich sie euch heute vor:

 

1. Panzano in Chianti

Auf etwa 60 Kilometern führt die SR222, besser bekannt als „Chiantigiana“, durch eines der berühmtesten Weinanbaugebiete der Welt – dem Chianti.

Bergauf, bergab und recht kurvig- sie ist ein landschaftliches Highlight. Wer Zeit hat und nicht auf schnellstem Weg von Florenz nach Siena möchte, sollte, anstatt die Autostrada Firenze-Siena zu nehmen, lieber hier mitten durch die Weinberge gondeln.  Grandiose Ausblicke garantiert!

Und mittendrin, etwa auf halber Strecke, liegt der kleine Ort Panzano in Chianti.

Politisch gehört er zur nächsten Gemeinde Greve in Chianti und hat etwas mehr als 1000 Einwohner.

Panzano liegt idyllisch ganz oben auf einem Hügel. Die Anfahrt ist ein wenig kurvig, aber mit wunderschönem Blick auf den Ort!

 

Schon von weitem erkennen wir unterhalb des alten Ortskerns weiße Tupfen in der grünen Landschaft.

Beim Näherkommen entpuppen sie sich als Wohnmobile, die auf der unteren Terrasse des kostenlosen öffentlichen Parkplatzes stehen.

Er ist nicht ausdrücklich als Wohnmobilstellplatz ausgewiesen, wird aber als solcher toleriert (ich denke mal, zumindest solange die Camper den Platz ordentlich und sauber zurücklassen) und er ist auch in Stellplatzführern zu finden.

 

Wir haben Glück und finden für unseren „Jumper“ noch einen schönen Platz ganz vorn mit Blick über das Chianti!

 

Auch wenn heute das Wetter nicht optimal ist (es ist bewölkt und wahnsinnig windig), ist die Aussicht traumhaft!

Vom Parkplatz aus ist es nur ein kurzes Stückchen zu Fuß bergauf in den alten Ortskern von Panzano.

 

Idyllische kleine Gassen führen an malerischen Häusern vorbei zur wunderschönen Kirche „Santa Maria“

An ihr begeistert mich besonders ihr außergewöhnliches Portal

 

Der Kirchturm ist übrigens ursprünglich einer der alten Wehrtürme des Castello.

 

Das „Castello di Panzano“ stammt schon aus dem 13. Jahrhundert, wurde aber im Laufe der Zeit immer wieder umgebaut und erweitert.

Heute ist es in Privatbesitz, kann daher im Inneren nicht besichtigt werden, aber drum herum gibt’s einige pittoreske Ecken zu entdecken.

Lange dauert unser Spaziergang durch Panzano nicht, denn der Ort ist nicht groß.

Dafür sitzen wir bald wieder gemütlich bei einer Brotzeit (in dem kleinen Alimentari haben wir einige leckere toskanische Spezialitäten eingekauft!) und natürlich einem Fläschchen Chianti vor unserem Camper und genießen den Ausblick! Welch eine Ruhe!

 

2. Lucignano

Obwohl Lucignano zu den „I borghi più belli d´Italia“( den schönsten Orten Italiens) gezählt wird, verirren sich nicht viele Touristen hierher. Auch in Reiseführern ist das Städtchen (ca. 3500 Einwohner) so gut wie nicht erwähnt.

Ich gebe zu, auch ich hatte noch nie davon gehört oder gelesen, bis wir an diesem Spätnachmittag aus Richtung Arezzo kommen und auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz sind.

Vom idyllischen Val di Chiana aus sehen wir hoch oben auf einem Hügel einen malerischen Ort mit vielen Türmen. Interessiert kurven wir die steile Straße hinauf und erfahren erst am Ortsschild den Namen: „Lucignano“.

(und weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass uns hier so etwas Tolles erwartet, habe ich dummerweise von der Anfahrt keine Fotos gemacht)

Ein Stück unterhalb der Stadtmauer stehen auf einer großen, ebenen Wiese, die ich zuerst für einen Fußballplatz gehalten habe, zwei Wohnmobile.  Im gleichen Augenblick sehen wir auch das Hinweisschild zur „Area Sosta Camper“!

Diese herrlich grüne Rasenfläche ist tatsächlich ein Wohnmobilstellplatz. Aber die größte Überraschung kommt noch:  Die Übernachtung hier kostet nichts und es gibt sogar Stromanschlüsse, Wasser und eine Entsorgungsstation. Fast zu schön, um wahr zu sein!

Wir stellen uns mit unserem Camper an den Rand des Platzes mit Blick ins weite Val di Chiana. Herrlich!

Aber dann siegt doch noch die Neugier über die bequeme Entspannung: wir wollen uns Lucignano ansehen. Zwar nicht weit, aber steil geht es vom Stellplatz aus hinauf ins Städtchen. Aber die Anstrengung ist es wert!

 

Lucignano entpuppt sich als wahres Mittelalterjuwel!

 

Fast vollständig von der Stadtmauer umgeben, lässt sich der Ort nur durch eines der Stadttore betreten.

 Die Gassen mit den alten Häusern verlaufen wie vor Jahrhunderten innerhalb des ovalen Mauerrings. Hier scheint die Zeit still zu stehen!

Um das Museum Civico und die Kirchen San Francesco und Santa Maria Annunziata herum ist der Ort wie ausgestorben, wir sind völlig alleine.

Erst vor der Kirche San Michele Arcangelo wird es lebendig. Nachbarn treffen sich vor den Häusern, Hunde werden spazieren geführt, Großeltern spielen mit ihren Enkeln. Hier ist nichts für Touristen arrangiert, hier ist alles ursprünglich und authentisch. Wunderschön! 

Die Via Roma mit einigen Geschäften (Metzgereien, Friseuren und der Eisdiele, in der es angeblich das beste Eis im Umkreis von 50 Kilometern gibt) ist das Zentrum des Ortes.

Gemütlich geht es hier zu und wir scheinen die einzigen Touristen im ganzen Ort zu sein!

Besonders stimmungsvoll wird es, als es langsam dunkel wird.

Bevor wir uns wieder auf den Weg hinunter zum Stellplatz machen, nehmen wir uns noch in der „Osteria Le Botti“ zum Abendessen Pizza mit zum Camper. Super Entscheidung, denn sie entpuppen sich als die besten Pizzen, die wir seit langem gegessen haben!

Eigentlich wollen wir zum Frühstück nochmal hinauf in den Ort, aber leider werden wir am nächsten Morgen vom Regen geweckt und fahren lieber weiter. Der Stopp hier in Lucignano aber war absolut lohnenswert!

3. Castiglione d´Orcia

Das Val d´Orcia südlich von Siena gehört seit 2004 zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist landschaftlich einfach ein Traum! 

Bekannt sind hier besonders der Weinort Montalcino (Heimat des „Brunello di Montalcino“)

und Pienza, Heimat von Papst Pius II. (der das Städtchen, das eigentlich Corsignano hieß, im 15. Jahrhundert kurzerhand, um sich selbst zu ehren, in Pienza umbenannte).

Hier im Val d´Orcia ist die Toskana genau so, wie man sie sich vorstellt!

 

Ein alter Turm hoch oben auf einem Hügel fällt uns schon von weitem auf! Also – nichts wie hin!

Steil und kurvig – wie soll´s auch anders sein – windet sich die schmale Straße hinauf nach Castiglione d´Orcia.

Oben angekommen stellen wir fest, dass der Ort (ca. 2000 Einwohner) nicht nur von einer, sondern gleich von zwei Festungen überragt wird:

 

 Der „Rocca Aldobrandesca“

 und dem achteckigen Turm der „Rocca di Tentennano“

Es ist später Nachmittag, deshalb freuen wir uns, als wir am Ortsrand ein Hinweisschild zur „Area Sosta Camper“ sehen.

Gleich neben dem Sportplatz, unterhalb des Friedhofs, gibt es einen ungeteerten Parkplatz, sonst nix  – das ist der Stellplatz.

Aber wir haben von hier aus einen traumhaften Blick auf das Val d´Orcia!

Und nur wenige Schritte sind es  in den Ortskern.

Sehr malerisch ist es in den alten Gassen! Und ruhig!

Immer wieder finden wir pittoreske Eckchen:

 

Die perfekte Kulisse für einen Mittelalterfilm ist die „Piazza il Vecchietta“.

Kein Wunder, Castiglione wurde schon vor mehr als 1000 Jahren als Besitztum der mächtigen toskanischen Familie Aldobrandeschi erwähnt.

Die kleine Kirche „Chiesa di Santa Maria Maddalena“ ist aus dem 12. Jahrhundert

die Hauptkirche „Chiesa die Santi Stefano e Degna“ aus dem 16. Jahrhundert

 

Und dazwischen? Ganz viele wunderschöne Ausblicke ins Val d´Orcia

 

und auf den Monte Amiata.

Nach so vielen Eindrücken zieht es uns zurück zum Camper: Füße hochlegen und die Aussicht genießen!

 

Und wenn nachts noch der Vollmond über der Landschaft steht, ist Camping an einem solchen Ort einfach ein Traum!

 

So, jetzt mag der ein oder andere Camperfreund einwenden: „Keiner der Plätze verfügt über sanitäre Anlagen! Geht ja gar nicht!“ 

Ok, kann ich gut verstehen, wenn manche dieser Meinung sind. Auch ich habe gern Toiletten und Duschen am Platz. Aber es muss nicht unbedingt täglich sein. Wenn ich durch einen wunderschönen Stellplatz entschädigt werde, kann ich auch mal einen Tag darauf verzichten. Eine Toilette für das „kleine Geschäft“ haben wir ja im Camper, Wasser zum Waschen auch.

Und wenn wir nahe an einem Ort übernachten, frühstücken wir sehr gern dort in einer Bar. Denn ein Cappuccino mit einem „Brioche con crema“ (meist zusammen so um die 2,00 €  pro Person) inmitten der Einheimischen lässt den Urlaubstag so wunderbar italienisch starten.

Und jede Bar hat auch eine Toilette …

 

Und danach kann´s wieder losgehen ins nächste Abenteuer!

 

 

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