Vorfrühling im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schiffe, viele Burgen und die alte Sage über eine verlassene Braut: das und noch vieles mehr begegnet uns auf unserem Kurztrip durch das Obere Mittelrheintal.

Machen wir uns auf die Reise:

Die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres wollen wir nutzen. Jetzt, Ende Februar, ist zwar noch nicht wirklich Frühling, aber die Temperaturen versprechen, die nächsten Tage zweistellig zu bleiben. Deshalb machen wir uns auf zum ersten Camper-Wochenende der Saison!

Vom Taunus kommend, fahren wir durch das wunderschön idyllische Wispertal nach Westen. Die Straße endet in Lorch direkt am Wasser.

Breit und majestätisch liegt er vor uns:

„Vater Rhein“

Ja, diese poetische Bezeichnung aus der Zeit der Romantik passt meiner Meinung nach tatsächlich gut zu diesem imposanten Anblick.

Nach diesem ersten Eindruck geht es für uns von Lorch aus direkt am Wasser entlang rheinabwärts.

Wir sind im Rheinischen Schiefergebirge (dieser Ausdruck hängt seit dem Erdkundeunterricht der 6. Klasse irgendwo versteckt in meinem Hirn und kommt gerade jetzt wieder zum Vorschein). Zu beiden Flussseiten erheben sich über einhundert Meter hohe Felsen. Und auf beinahe jedem sitzt eine Burg oder eine Burgruine. 

Da wundert es mich wirklich nicht, dass gerade im 19. Jahrhundert die Romantiker als Bewunderer des (ihrer Meinung nach) grandiosen Mittelalters diesen Abschnitt des Rheintals besonders anbetungswürdig fanden. „Rheinromantik“ ist aus dieser Zeit ja sogar ein eigenständiger Begriff.

Geschichtsträchtig und inspirierend für Dichter und andere Künstler und das seit mindestens zwei Jahrtausenden: Kein Wunder, dass dieser Abschnitt des Rheins zwischen Bingen und Koblenz, das obere Mittelrheintal, seit 2002 zum

UNESCO-Welterbe

zählt.  Seine Rolle als Transportmittel, seine Natur und seine Kultur – das alles ist außergewöhnlich, erhaltens- und schützenswert!

Und wir befinden uns gerade mittendrin!

Vor uns schiebt sich jetzt ein riesiger Felsvorsprung in den Weg, der den Rhein und auch natürlich die Straße daneben in eine Linkskurve zwingt.

Es ist wahrscheinlich einer der berühmtesten Felsen Deutschlands, wenn nicht sogar Europas!

Die Loreley

Eigentlich nichts Anderes als ein 132 Meter hoher Schieferfelsen ist sie doch bis heute der Inbegriff des romantischen Rheins!

Denn die (in leicht voneinander abweichenden verschiedenen Versionen bekannte) Geschichte der Jungfrau, die auf dem Felsen auf die Wiederkehr ihres Liebsten wartet, dabei ihr goldenes Haar kämmt und mit ihrem Gesang Schiffe auf die Felsen im Fluss unter ihr fehlleitet, klingt zwar wie eine uralte Sage, ist aber eigentlich eine Ballade des romantischen Schriftstellers Clemens Brentano. Wirklich bekannt wurde sie aber wohl erst durch ein Gedicht Heinrich Heines:

 

 Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so traurig bin;
ein Märchen aus alten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.

 

Wem sind diese Zeilen noch nicht begegnet? Kaum jemandem wahrscheinlich.

Allerdings geht mit gerade ein völlig anderer Text (mit Melodie!) ständig durch den Kopf:

 

 „Loreley-ley ley, Unter dir da fließt der Rhein wie ein blaues Band durch das weite schöne Land“

 

Dieser 40 Jahre alte Schlager von Dschingis Khan ist jetzt für den Rest des Tages mein Ohrwurm!

Den Ausblick wie die singende Loreley im Märchen wollen wir jetzt aber auch haben und folgen dem Wegweiser den Berg hinauf.

Oben erwartet uns der noch recht neue (2019 eröffnete)

Kultur- und Landschaftspark Loreley

Auf dem wirklich sehr schön angelegten Hochplateau finden wir ein Besucherzentrum, die Freilichtbühne (beides im Frühjahr 2021 coronabedingt geschlossen) und herrliche Spazierwege, die uns bis vor zur Felsspitze führen!

Die Ausblicke zu beiden Seiten ins Rheintal sind wirklich traumhaft!

 

Dann zieht es uns aber von der „Loreley“ doch wieder hinunter an den Fluss nach

St. Goarshausen

Natürlich gibt’s auch hier wieder Burgen oben auf den Felsen über dem Ort. Sogar gleich zwei recht nah beieinander: Burg Katz

und Burg Maus.

Witzig, oder? 

Übrigens: Im gesamten Oberen Mittelrheintal gibt es zwischen Wiesbaden und Koblenz auf 80 Flusskilometer keine einzige Brücke! Auch das macht dieses UNESCO-Weltwerbe einzigartig, wie ich finde.

Wir wollen trotzdem auf die andere Seite. Die Lösung? Natürlich eine Fähre. Fünf Auto- und Personenfähren gibt es zwischen Bingen und Koblenz. Wir nehmen die „Loreley“-Fähre, die uns in nur wenigen Minuten von St. Goarshausen in den Nachbarort St. Goar bringt.

Ein tolles Erlebnis, so ‚“Vater Rhein“ zu überqueren!

Weiter rheinabwärts fahren wir nun nicht mehr, sondern wenden uns wieder nach Süden.

So langsam wollen wir uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz machen. Einige Wohnmobil-Stellplätze gibt es ja entlang des Rheinufers (Campingplätze sind derzeit noch geschlossen)

Uns gefällt der Stellplatz in

Oberwesel

auf den ersten Blick recht gut. Ein Parkplatz direkt am Wasser mit herrlichem Blick auf den Fluss und die Schiffe, aber auch auf den schönen Ort Oberwesel mit seinen malerischen Fachwerkhäusern und der Schönburg.

Eigentlich ist der Stellplatz gebührenpflichtig, aber die Stadt Oberwesel ist so nett und erlässt derzeit alle Parkgebühren (die Parkscheinautomaten sind sogar abmontiert!)

Ein kleiner Spaziergang durch Oberwesel in der Abenddämmerung muss nun aber sein. Neben den wirklich wunderschönen Fachwerkhäusern, die wir ja vom Parkplatz aus schon gesehen haben, gibt es hier eine kleine Überraschung:

Die (zumindest teilweise) begehbare Stadtmauer!

Ein großer Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung mit Toren und Türmen ist noch sehr gut erhalten.

Wirklich sehr interessant zu entdecken!

Aber was ist das? Mitten auf dem malerischen Marktplatz finde ich in einem Pflasterstein ein Hufeisen! Wo kommt das denn her? Und was soll das bedeuten?

Die Auflösung finde ich ein paar Schritte davon entfernt am Stadttor:

Es ist die Legende, wie die Winzer von Oberwesel einst den Teufel überlistet haben.

Oberwesel ist wirklich ein sehr schönes kleines Städtchen, das mich sehr positiv überrascht hat!

Leider entdecken wir im Laufe der Nacht den größten Nachteil des Stellplatzes in Oberwesel:

Zwischen Stadt und Parkplatz verläuft die Bahnlinie! Nicht, dass wir dies am Abend nicht bemerkt hätten. Aber uns war nicht klar gewesen, wie viele Züge hier die Nacht durch tatsächlich vorbeifahren. Viele! Lund nicht nur Personenzüge, sondern auch lange Güterzüge! Leider können wir deshalb nicht besonders gut schlafen und sind schon früh am Morgen wach.

Was aber durchaus auch sein Gutes hat, denn das Wetter ist wunderschön und wir können schnell in einen herrlichen Tag starten.

Die Sonne schafft es aber so früh noch nicht über den Berg bis auf den Parkplatz und deshalb verlassen wir Oberwesel auf der Suche nach einem sonnigen Frühstücksplatz!

Weil wir vormittags eine Wanderung auf einem Hochplateau wenige Kilometer südlich von Oberwesel planen, kurven wir weg vom Fluss eine kleine Straße durch die Weinberge hinauf bis zum schönen

Wanderparkplatz Pfalzblick

mit Picknickplätzen und herrlichem Ausblick besonders, wie der Name schon sagt, auf die Pfalz (eigentlich Burg Pfalzgrafenstein) bei Kaub, die malerische ehemalige Zollstation mitten im Rhein.

Zum Frühstücken finden wir den Platz allerdings nicht optimal und deshalb fahren wir noch ein paar wenige Kurven weiter den Berg hinauf und finden unseren

Traum-Frühstücksplatz:

ein kleiner Wanderparkplatz mit einem Picknicktisch und einer sagenhaften Aussicht!

Das erste Frühstück der Saison in der Sonne! Ein Traum!

Sehr gut gestärkt packen wir dann unsere kleine Wanderung an:

Das Traumschleifchen Pfalzblick

Dieser Rundweg von etwa 5 Kilometern Länge startet am Parkplatz neben dem Sportplatz in Langscheid (6 Kilometer von Oberwesel) und entpuppt sich als wunderschöner Wanderweg.

Nicht allzu anstrengend führt er uns durch die herrliche Landschaft zu traumhaften Aussichtspunkten:

Der Aussichtspunkt „Grube Rhein“ mit Blick auf die „Pfalz“

den Grillplatz „Sauzahn“ mit Ausblick auf Kaub und Burg Gutenfels

dem Rastplatz „Uff´m hinner Beil“ mit Blick auf Oberwesel

Nach etwa zwei Stunden sind wir wieder am Parkplatz.

Das Traumschleifchen Pfalzblick war eine wirklich wunderschöne Wanderung, die ich nur empfehlen kann!

Tja, und schon geht der Sonntag langsam seinem Ende zu und es heißt für uns: Ab nachhause!

Aber unser Vorfrühlingswochenende im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal war einfach wunderbar!

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